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Die Renaissance der Kurzgeschichte

Bitte senden Sie uns keine Kurzgeschichten oder Lyrik, so lauten die Hinweise auf den Seiten der Verlage. Wenn sie schon mit Manuskripten überhäuft werden, dann möge man sie wenigstens mit den Genres verschonen, die kaum ein Mensch liest.

Genau wie Anthologien und Biografien haben sie nur eine kleine Liebhabergemeinde. Wer quält sich schon gern durch Hunderte von Seiten Lebensbeichte, wenn sie nicht von Keith Richards oder Michail Gorbatschov geschrieben sind?  Die breite Masse der Leser liest Romane. Belletristik.

Der Literaturkosmos beginnt sich aber dank des eBooks zu verändern. Im Prinzip ist es noch unfassbar, welches weite Feld hier überhaupt auf seine Bestellung wartet.

In einem Forum las ich den Beitrag eines Lesers, der zum Lesen nur noch einen Reader einsetzt und sich an einer aktuellen Diskussion pro oder kontra Printbuch beteiligte. Sein Argument war:

Zum Lesen einer kurzen Geschichte auf dem Reader findet sich immer Zeit, in der Bahn, im Bus auf dem Weg zur Arbeit. Als Beifahrer. Beim Sitzen im Wartezimmer und bei noch so vielen Gelegenheiten. Warum nicht auch zum Beispiel in der Kassenschlange im Supermarkt? Jeder weiß, wie quälend langsam  die Zeit bei Ämtern, Ärzten etc. vergeht. Eine Kurzgeschichte kann auch eine kurzweilige Bettlektüre sein. Hat nicht jeder Autor irgendwo die Idee für eine KG im Kopf oder bereits auf Papier gebracht in der Schublade liegen? Hat nicht schon mancher Schriftsteller bedauert, dass Verlage so ungern  Kurzgeschichten erhalten? Ausnahmen bilden da ein paar AutorInnen, die mit ihren Werken zu bekannten Autoren wurden. Allerdings hatten sie vorher schon Preise erhalten und waren im Gespräch. Der Verlag riskierte also nichts.

Ich prophezeie der Kurzgeschichte eine Renaissance. Sie wird vielleicht sogar den Roman irgendwann ablösen. Vielleicht werden auch andere Erzählformen aus der Taufe gehoben, wie beispielsweise Novelle oder  Little  Roman. Texte, die dann eine bestimmte Seitenzahl nicht überschreiten.

Meiner Meinung nach ist hier auch das Trittbrett, auf welches der Indie Autor aufspringen kann. Es vereinfacht auch das gegenseitige Lesen und Bewerten der Texte.  Auch von Lesern mit Vorbehalten gegen diese Literaten wird eine KG womöglich eher angenommen.

Ein Printbook mit einer 10seitigen Kurzgeschichte gibt es nicht. Das wäre ein dünnes Heft und kein Buch. Dafür würde sich keine Werbung lohnen, das würde auch niemand kaufen, und im Bücherregal macht es auch nichts her. Ein digitales Buch kann sogar nur fünf Seiten enthalten, das interessiert den PC und den Reader nicht. Niemand presst es zwischen zwei Buchdeckel oder dünne Pappe. Ein Leseerlebnis ist nicht mit der Zahl 100 Seiten verbunden.  Die Chance, dass ein Leser die 10-20seitige Kurzgeschichte von einem unabhängigen Schriftsteller liest, ist sehr gut.

Auch für den Self-Publisher ist es eine Entlastung, wenn er weiß, dass er nicht 500 Seiten in 12 Monaten umsonst schreibt, sondern nur 20 in 2 Wochen. Während die eine Short Story veröffentlicht ist, kann er sofort mit der nächsten beginnen. Sobald es Kritiken hagelt, kann er die Fehler als Herausforderung sehen und sie beim neuen Versuch gleich gar nicht erst machen. Wenn er seine Werke total vergeigt hat, benutzt er ein neues Pseudonym. Auch das ist ein gewaltiger Vorteil.

Die Kurzgeschichte ist durch ihre Dichte – die Technik sollte der Autor natürlich beherrschen –  mehr auf unsere schnelllebige Zeit zugeschnitten. Diese Zeit lässt sich nicht mehr aufhalten.

Der eBook Autor erkennt den Bedarf, vor ihm allein liegt der unendliche Acker, den er nur bestellen muss. Wenn er dann auch noch in den beliebten Genres Horror, Krimi, Fantasy und Erotik Fuß fassen kann und will, gehört die Zukunft ihm.

Let me in Peace

Die Zahl meiner Twitter Follower nähert sich der magischen Hundert. Ich bin gespannt, ob sie mir am Wochenende entgegenblinkt.
Auf jeden fünften vernünftigen Follower kommt einer dieser Spamtwitterer, wie ich sie inzwischen nenne.
Eine Horde von Trittbrettfahrern, die aufspringen möchte, um sich an mir – in meiner Funktion als eBook-Autorin – zu bereichern.
Let me in peace!
Die Einzige, die sich an mir gesundstoßen darf, bin ich selbst.
Spamtwitterer tweeten stündlich und öfter ihre Werbung ins Twittiversum. Die dürfen das, während ich mich als unabgängige Autorin gefälligst ganz bescheiden in den Hintergrund zu drängeln habe oder dorthin verbannt werde. Im literarischen Aus habe ich zu warten, bis sich jemand erbarmt, meine Schreibe zu lesen und auch noch zu kaufen.
Sobald einer von uns für sich die Werbetrommel rührt, wird er zur Dartscheibe. Die Pfeile fliegen geradewegs ins Zentrum.
Würde ich so unermüdlich penetrant und stündlich meine Eigenwerbung hinaus tröten, hätte ich wohl bald keine Follower mehr.
Ein Literat wie unsereins ist ein Einzelkämpfer in einer community von Einzelkämpfern. Niemand tritt uns die Türen ein, um uns auf die Siegertreppe zu befördern.
Wenn einer von uns es schafft, dann nur durch Fleiß und Arbeit an sich selbst und am Werk. Verbessern, und noch mal verbessern. Man muss sich aus der Asche immer wieder neu gebären.
Eine Portion Fortuna gehört auch dazu.

Meine Macht besteht darin, diesen grünen ‚Folgen‘ Button einfach zu ignorieren.

Kleiner Sturm in meinem Wasserglas

Im Forum Romane bei Amazon habe ich nach Testlesern für meinen Roman gesucht.

Sogleich folgte die erste Verbalattacke des so genannten Literaturkritikers, der vermutlich aus dem Reich der Fantasy kommt (Troll). Seinen Kommentar sehe ich positiv, denn negative Beiträge locken – warum bloß? – gleich Neugierige an, die sich subbito ins Getummel mischen. 

Es amüsiert mich immer, wenn Bücher in den Bestsellerlisten erscheinen, die angeblich keiner liest, die gerade mal einen Bewertungsstern haben, wie z.B. Romane über gewisse seichte Körperlandschaften, die mit Hingabe vernachlässigt werden. Aber sie werden mit der gleichen Panik gekauft wie Lebensmittel einen Tag vor dem Weltuntergang. Weil die Leute mitreden wollen? Weil sie etwas verpassen könnten? Weil Medien sie empfehlen oder verreißen?

Auf jeden Fall war erstmal Traffic auf Amazon, mein Buch rutschte einige Plätze nach vorn, man klimperte auf den Hilfreich und Nichthilfreichtasten herum, weil dabei ja jeder schön anonym bleiben kann.

AutoreInnen ohne Verlag stehen sehr einsam da,  sie sind allein im Haifischbecken. In einer Welt, die nicht nur gut ist. Sie heißen Indies, wobei der Ursprung des Begriffs nichts mit Indien oder mit Indern zu tun hat. Er bedeutet independent (unabhängig) und bezeichnet  jeden Kreativen, der sich auf diese Art selbst herausbringt.  Indie klingt trotzdem negativ. Schon wegen der Verniedlichung. Heidi wird weniger ernst genommen als Adelheid. Auch andere Assoziationen sind möglich, schmeicheln aber genausowenig.

Das wusste ich, und ich hielt das aus. Es waren auch wirklich konstruktive Vorschläge dabei. Außerdem war ich froh, dass sich überhaupt ein paar bemüht hatten, Kommentare abzugeben.

Ich entrüste mich allerdings über Verallgemeinerungen wie diese:  ‚Ich lese nichts von Autoren, die von Verlagen abgelehnt wurden‘, oder ‚Bücher, die nicht verlegenswürdig sind’…..

Dabei hat eine Absage oft  nichts mit der Qualität des Manuskripts zu tun.

1.Nicht jeder E-Book Autor hat sein Manuskript überhaupt an Verlage geschickt und ist deswegen natürlich auch nicht abgelehnt worden.

2. Auch sehr gute Schriftsteller werden nicht verlegt. Verlage sichern ihre Existenz lieber mit übersetzten Bestsellern aus anderen Ländern oder mit ihren Hausautoren.

3. Viele Autoren, denen das Klinkenputzen nichts ausmachte, steckten viele Absagen ein, bevor sie dann plötzlich doch herausgebracht wurden und  Bestseller landeten.

4.Die meisten Autoren haben vorher Preise gewonnen, mit ihnen geht der Verlag ein nicht so großes Risiko ein wie mit einem Autodidakten oder Hobbyschreiber.

5. Auch Lektoren haben ihre schlechten Tage. Manche haben schon oft bereut, einen Roman abgelehnt zu haben, der hinterher bei einem anderen Verlag ein Bestseller wurde.