Let me in Peace

Die Zahl meiner Twitter Follower nähert sich der magischen Hundert. Ich bin gespannt, ob sie mir am Wochenende entgegenblinkt.
Auf jeden fünften vernünftigen Follower kommt einer dieser Spamtwitterer, wie ich sie inzwischen nenne.
Eine Horde von Trittbrettfahrern, die aufspringen möchte, um sich an mir – in meiner Funktion als eBook-Autorin – zu bereichern.
Let me in peace!
Die Einzige, die sich an mir gesundstoßen darf, bin ich selbst.
Spamtwitterer tweeten stündlich und öfter ihre Werbung ins Twittiversum. Die dürfen das, während ich mich als unabgängige Autorin gefälligst ganz bescheiden in den Hintergrund zu drängeln habe oder dorthin verbannt werde. Im literarischen Aus habe ich zu warten, bis sich jemand erbarmt, meine Schreibe zu lesen und auch noch zu kaufen.
Sobald einer von uns für sich die Werbetrommel rührt, wird er zur Dartscheibe. Die Pfeile fliegen geradewegs ins Zentrum.
Würde ich so unermüdlich penetrant und stündlich meine Eigenwerbung hinaus tröten, hätte ich wohl bald keine Follower mehr.
Ein Literat wie unsereins ist ein Einzelkämpfer in einer community von Einzelkämpfern. Niemand tritt uns die Türen ein, um uns auf die Siegertreppe zu befördern.
Wenn einer von uns es schafft, dann nur durch Fleiß und Arbeit an sich selbst und am Werk. Verbessern, und noch mal verbessern. Man muss sich aus der Asche immer wieder neu gebären.
Eine Portion Fortuna gehört auch dazu.

Meine Macht besteht darin, diesen grünen ‚Folgen‘ Button einfach zu ignorieren.

Meine Empfehlung

My short Story nennt sich dieser virtuelle Marktplatz (Link ist in der Seitenleiste).  Scheinbar ist er noch im Aufbau. Die Anzahl der Mitglieder betrug bei meiner Anmeldung 155 .

Das Design empfand ich sofort als positiv, professionell und nicht zu überladen. Die Navigation ist übersichtlich und einfach. Ein Forum gibt es auch. Die Vorgehensweise wird sehr gut erklärt. Fragen werden ausführlich in den FAQs beantwortet.

AutorInnen können dort lesen, bewerten, diskutieren und selbst veröffentlichen. Hat nicht jeder Autor irgendwo die Idee für eine KG im Kopf oder bereits auf Papier gebracht in der Schublade liegen? Hat nicht schon mancher Schriftsteller bedauert, dass Verlage so ungern  Kurzgeschichten erhalten? Ausnahmen bilden da ein paar AutorInnen, die mit ihren Werken zu bekannten Autoren wurden. Allerdings hatten sie vorher schon Preise erhalten und waren im Gespräch. Der Verlag riskierte also nichts.

Mein vorletzter Beitrag befasste sich schon mit dem Thema Kurzgeschichte. Ich prophezeie der Kurzgeschichte eine Renaissance. Sie wird vielleicht sogar den Roman irgendwann ablösen. Vielleicht werden auch andere Erzählformen aus der Taufe gehoben, wie beispielsweise Novelle oder  Little  Roman. Texte, die dann eine bestimmte Seitenzahl nicht überschreiten.

Meiner Meinung nach ist hier auch das Trittbrett, auf welches der Indie Autor aufspringen kann. Es vereinfacht auch das gegenseitige Lesen und Bewerten der Texte.  Auch von Lesern mit Vorbehalten gegen diese Literaten wird eine KG womöglich eher angenommen.

Besonders erfreut war ich, dass dort die übliche Community Fantasy, Horror und Krimi nicht so vertreten ist. Nicht, dass ich etwas dagegen hätte. Doch fast auf fast jeder  Plattform, die eBooks veröffentlicht, ist die Community überwiegend auf diese Genres eingefahren.  Auf My Short Story  wird auch anderen Themen viel Platz gegeben.

Ein großer Nachteil ist noch, dass man nichts in E-Book Readerformaten wie E-Pub verkaufen kann. Es werden nur PDF Dateien akzeptiert. Möglicherweise wird hier noch nachgebessert.

Bezahlung erfolgt dann über Pay Pal.

Geschichten, die für Jugendliche unter 16 Jahren nicht geeignet sind, werden nicht veröffentlicht.

Sollen Indieautoren sich gegenseitig rezensieren?

In entsprechenden Foren und Blogs taucht immer wieder die Frage auf, ob und wie sich unabhängige Autoren helfen können, damit sie mehr Aufmerksamkeit für ihre Werke erlangen.

Sind gegenseitige Rezensionen zu empfehlen? Die Hauptgegenargumente dagegen sind:

Indies genießen ohnehin kein Ansehen bei den etablierten Lesern und Autoren, und Gefälligkeitsrezensionen schaden dem Image noch mehr.

Grundsätzlich lehne ich diese gegenseitigen Rezensionen nicht ab.

Für mich sind sie vorstellbar, wenn sie folgende Punkte erfüllen:

1. Das Buch, welches ich rezensiere, betrifft ein Genre, das mich interessiert. Das kann bereits im Vorfeld geklärt werden.

2. Je mehr Sterne, desto kompetenter und ausführlicher muss die Rezension sein. Fünf Sterne bei einem Indieautoren halte ich für fragwürdig, obwohl drei oder vier ihm auch nicht nutzen. Eigentlich nutzen ihm Sterne überhaupt nichts. Etablierte, von den Medien hofierte AutorInnen können weniger Sterne eher verkraften. Oft tritt genau der gegenteilige Effekt ein – sie werden erstrecht gelesen – obgleich völlig verrissen. Da führen sogar 3 Sterne Autoren mit den übelsten Kritiken die Bestsellerlisten an, wie man an Madame C. Roche sieht.

Aber wenn sich fünf Kritiker hintereinander bei einem Indie mit fünf Sternen verewigen und in ihren Sätzen einen Superlativ nach dem anderen herausschleudern, dann denkt doch jeder sofort an den Freundeskreis, der beim Onlinehändler bestellt und somit alles bewerten darf. Das glaubt dann, so traurig das auch ist, keiner mehr. Sogar die besten Schriftsteller erreichen selten fünf Sterne.

3. Jeder Benutzername hat ein Profil, das jeder anklicken kann. Wenn dort nur eine Rezension auftaucht, nämlich die für ein eBook eines Indieautoren, wirkt das auch nicht überzeugend. Besser ist, wenn dort viele gemischte Rezis zu finden sind. Ausnahme: wenn eine einzige Bewertung wirklich gut geschrieben ist und Fachkompetenz erkennen lässt.

4. Eine Kritik, die nur positiv ist, ist vielen auch suspekt, ein paar, wenigstens ein überarbeitungswürdiger Kritikpunkt sollten schon angedeutet werden. Das muss ja nichts sein, womit das ganze Werk verrissen wird, sondern in Bezug auf Formatierungen, fehlende Kommas oder unglückliche Satzkonstruktionen.

5. Orthographie und Stil müssen stimmen, das ist wohl selbstverständlich.

Selbst den noch so kleinsten Beitrag sollte ein Autor oder Rezensent noch einmal überprüfen.

Die Bewerbung durch einen anderen sehe ich positiv. Die leichte Übertreibung aus dem fremden Mund wird eher entschuldigt als die Selbstvermarktung aus dem eigenen.

Es geht erst einmal darum, überhaupt das Interesse eines Lesers auf das eigene Buch zu lenken, und das funktioniert nur durch Eigenwerbung oder Fremdbewertungen und das Genre. Wenn das Genre stimmt, steigt man schon mit hoher Punktzahl ein.

Da kaum einer in diesem Metier geboren ist, kann es sonst bei der Eigenwerbung schnell zu einem Fehltritt kommen. Der Weg ist steinig und mit Fettnäpfchen gesäumt.

Der Wunsch nach einer Fremdbewertung durch einen „anspruchsvollen“ Leser oder den „Spiegel“, wäre wünschenswert, ist aber wohl eher utopisch. Diese Leserpersönlichkeiten befassen sich nicht mit Indie Literatur. Wenn es mal zu einer solchen Bewertung kommt, fällt die meistens negativ aus.

Die Verwandtschaft sowie der Freundes- und Bekanntenkreis ist gern bereit, ein paar Worte zu dem Buch zu schreiben, aber diese Möglichkeit sollte der unbekannte Autor lieber vergessen. Jeder weiß, wie schwer es ist, Freunde, Bekannte oder Verwandte ehrlich zu beurteilen.

Ideenschutz/ Ideenklau Teil 2

Nachweis der Urheberschaft – der Autor muss beweisen, dass er als Erster im Besitz des Textes/der Texte war.

1. Die kostengünstigste Methode ist folgende:

  • Der Autor brennt eine CD seines Manuskripts einschließlich der Bilder oder druckt es komplett aus. Als Beweis im Rechtsstreit sollte die CD schon ausreichen. Druck-bzw. Kopierkosten werden so gespart.
  • CD oder/und das ausgedruckte M. in einen Umschlag/Päckchen  packen.
  • Diesen Umschlag an die eigene Adresse schicken. Absender kann der Autor selbst, ein Freund, Bekannter o.ä. sein. Wichtig ist dabei, dass Autor oder  Absender direkt beim Postamt darauf achten, dass sich ein leserlicher Poststempel (wegen des Datums) auf der Briefmarke verewigt.
  • Günstig erweist sich dabei auch ein Datum, das um einige Zeit vor der Veröffentlichung liegt und am besten ist es, wenn der Umschlag auch noch einen Rohentwurf, korrigierte Fassungen, ein Exposee u.a. enthält.
  • Diesen Umschlag sollte der Autor gut verschließen, eventuell mit einem Streifen Klebeband versehen. Verschlussklammern für Warensendungen sind natürlich keine gute Idee. Der Umschlag muss verschlossen bleiben! Um dem Vorwurf der Manipulation zu entgehen. Es muss beweisbar sein, dass der Autor nicht versucht hat, den Brief zu öffnen, um erst später sein Manuskript hineinzulegen.

Von unschätzbarem Wert für einen späteren Rechtsstreit sind die ersten Entwürfe. Vielleicht hat der Autor in einem Heft seine ersten Skizzen entworfen, dann wird dieses erste Gerüst im Vergleich zum späteren vollendeten Werk auch einen Richter überzeugen.

Der PC nimmt es einem nicht übel, wenn man ihn mit Dateien voll packt, also auf keinen Fall sollten die ersten Versuche, die Entwürfe, Figurenbiographien und Überarbeitungen, gelöscht werden, da das Textverarbeitungsprogramm die Daten der Änderungen, das Erstelldatum und die Zugriffe sehr gut dokumentiert.  

Wenn ein Autor also z.B. beweisen kann, dass er seinen Roman, der 2011 als eBook erschien, schon seit 2009 auf dem PC begonnen hat, wird der Plagiator es mit seiner Beweisführung schwer haben.

2. Gebührenpflichtiger Schutz:

Kostspieliger ist der Einsatz eines Notars. Zu den Gebühren kann ich nichts sagen. Ich habe darüber keine verbindlichen Informationen gefunden. Ich denke, dass ein Schriftsteller zwischen 50 und 100 Euro investieren muss. Das ist eine einmalige Summe, und dafür liegt sein Manuskript im Tresor beim Notar. Das ist die sicherste Methode. Selbstverständlich sollte auch diese Variante vor der Veröffentlichung zum Einsatz kommen.

Beim Googeln findet man auch Angebote entsprechender Onlinedienste, über deren Seriosität ich aber nichts sagen kann. Mehrere Arten der Dienstleistung kann man dort wählen: Hinterlegung des Werkes für eine einmalige Summe oder für eine monatliche Flatrate. Günstig sind diese Angebote nicht.

Nachzulesen sind Punkte bezüglich des Urheberrechts auch im Internet. Dort gibt es eine Seite ‚Gesetze im Internet, Bundesrecht‘.

Es handelt sich um eine PDF Datei über das Urhebergesetz.

 

Zum Titelschutz

Titelschutz tritt automatisch mit dem Veröffentlichen ein. Er muss also nicht besonders geschützt werden, was im Übrigen auch wieder mit Kosten verbunden wäre. Der Autor sollte allerdings vor dem Veröffentlichen des Buches recherchieren, ob es seinen Titel bereits gibt, damit er nicht plötzlich selbst einen Rechtstreit am Hals hat.

Das kann er über Suchdienste oder das VLB, das Verzeichnis lieferbarer Bücher erledigen.

 

Ideenschutz/Ideenklau Teil 1

Warum sollte das Manuskript eines unabhängigen eBook Autoren schützenswert sein? Er kann doch sowieso nicht schreiben, um es mal ganz zynisch auszudrücken.

Er kann vielleicht nicht schreiben, aber immerhin hat er etwas zu Papier/in eine Datei gebracht, das seiner Fantasie entsprang. Er hatte eine Idee.

Da sich, seitdem geschrieben wird, besonders in der Literatur alle Themen und Genres unermüdlich wiederholen, sind neue Ideen eine dankbare Fundgrube.

So fällt der unbekannte Autor mit Sicherheit vom Glauben ab, wenn ihm sein Werk, dass er schon irgendwo, in einem Forum oder auch als eBook veröffentlicht hat, plötzlich als Bestseller begegnet. Unzählige Manuskripte hatte er ebenfalls an Verlage geschickt, aber ohne Erfolg. Und sein eBook steht auf Rang  1234.

Der dreiste Kopierer hat sich in seiner Freizeit in einschlägigen Foren herumgetrieben oder ist auf andere Art an das Manuskript gekommen. Vielleicht hat er es im Papierkorb des Verlages gefunden.

Schreiben konnte er schon, und seine Vita liest sich auch recht gut. Nur mit der Inspiration wollte es nicht klappen. Die Muse küsste ihn nicht.

 Mit Hilfe eines großes Verlages optimiert er nun das Geschreibsel des unbekannten Schreiberlings und landet sofort einen Bestseller. Der erfolglose Autor allerdings hört nicht einmal ein Dankeschön.

Plagiate erzeugen heutzutage auch nicht mehr soviel Entrüstung und sind  Kavaliersdelikte. Sie werden Berühmtheiten schnell verziehen.

Mit Vorwürfen wie Unmoral oder Erzeugung von Schuldgefühlen wird man den Plagiator kaum beeindrucken. Die Welt ist ohnehin schlecht, da kommt es auf einen mehr auch nicht an.

Und wird ein Leser ein Buch zurückgeben, nur weil es ein Kopierer geschrieben hat? Vielleicht bewundert er ihn sogar für diesen heldenhaften Streich. Wir leben nicht unbedingt mehr in Zeiten des kollektiven Mitleids mit Opfern.  

Muss es soweit kommen?

Dazu mehr im nächsten Beitrag.

Bücher, die die Welt (nicht) braucht

In aller Munde: der neue Roman ‚Schoßgebete‘ von der Spezialistin des Schmuddels  C.Roche.

Ich habe ihn nicht gelesen und werde ihn nicht lesen.

Aber ich sehe daran, wie es einer gigantischen Medienmaschinerie gelingt, ein Werk nur durch Werbung zum Verkaufsschlager zu machen. Die Medien machen aus jedem Buch ein interessantes Buch und oft aus einem schlechten auch ein gutes.

Werbung, die unsereins weiß Gott gut gebrauchen könnte. Selbst Trommeln und Schaumschlagen sind nicht die Mittel, die ein unbekannter  Autor einsetzen sollte. Dafür wird er in der Szene schnell gemobbt.

Der Weg zum Bestseller ist somit durch die Kritiken in den Medien vorgezeichnet. Aber Bestseller ist nicht unbedingt das Attribut für gute Literatur. Das mag für die erfolglosen Schriftsteller ein schwacher Trost sein.

Wer auf die entsprechende Seite einer Onlinehändlers geht, liest dort überwiegend negative Rezensionen. Was haben diese Leser erwartet? Eine Läuterung zur christlichen Autorin? Sie wussten genau, was sie für knappe 20 Euro erwarben.

Wenn jemand eine Freundin wie Roche hat, oder eine Nachbarin, wird er ihr irgendwann dringend psychotherapeutische Hilfe anraten. Diese genießt allerdings die (in der Kindheit nicht vorhandene?) Zuwendung und Aufmerksamkeit mit jedem Zeitungsartikel und mit jeder Fernsehsendung.

Es beweist, dass sich fast jeder, der sein Gesicht schon der  Öffentlichkeit präsentiert hat und hier und da ein Skandälchen vorweisen kann,  gleich zum Schreiben genötigt fühlt, und was viel schlimmer ist, seine Ergüsse auch noch verkauft. Jene, die diese Bücher erwerben, beweisen das.

Ich bin noch in der Lage, Ekel zu empfinden, und darauf bin ich stolz. Die Rezensionen über das Werk der Fäkalienliteratin reizen meine Magenschleimhaut bereits, ohne, dass ich einen Satz lesen muss.

Fühlen sich Verlage schon in ihrer Existenz bedroht?

So lautet eine Frage der zweiten Rezensentin meines Romans.

Eine interessante Frage. Ob Verlage sie sich bereits stellen? Dazu meine Prognose.

EBooks sind auf dem Vormarsch. Wie alles, was ursprünglich mal über den Ozean zu uns herüberschwappte, wird auch diese Welle uns erfassen. Den Triumphzug der eBooks wird nichts aufhalten. Sobald die Preise für die Reader sich nach unten bewegen, wird es noch mehr Leser geben.

Im virtuellen Discounter gibt es momentan noch zu wenig Sonderangebote, für die eBooks bekannter Autoren ohnehin nicht, und auch die Indie Autoren haben teilweise unmögliche Preisvorstellungen. Das ändert sich – die Preise werden fallen.

Gerade Vielleser sind die Kunden der eBook Autoren. Der ‚anspruchsvolle‘ Leser, der sich gern elitär gibt, rümpft noch die Nase, aber er wird zum Fossil. Denn es rückt eine junge, selbstbewusste Leserschaft nach, die offen für alle Literaturbereiche ist. Die sich nichts vorschreiben lässt und sich am liebsten Horror, Krimis, Vampirromane, Erotik und Fantasy zu Gemüte führt. Diese Genres sind für den Literaturadel absolutes No Go.

Als mündiger Leser entscheidet der neue Literaturliebhaber selbst, wer mit ihm ins Bett darf. Bestsellerlisten interessieren ihn nicht. Rezensionen von Akademikern auch nicht. Die von Face-Book Freunden da schon eher. Auch in Foren und in Weblogs wird der Sucher eher fündig als in der L-Adels-Press. Manchen Autor erlebt er dort sogar hautnah.

Das gedruckte Buch wird noch überleben, aber für Journale, Tagespresse und alle möglichen Magazine sehe ich eine dunkle Zukunft.

So günstig können sie gar nicht sein – sie werden den Siegeszug der virtuellen Konkurrenz nicht aufhalten. Schon das unhandliche Landkartenformat sowie das mühevolle Umblättern und Sortieren einer Tageszeitung sind kaum Vorteile, die sich zu verteidigen lohnen.  Sie wird vielleicht beim Morgenmuffel überleben, der sich am Frühstückstisch gern hinter ihr versteckt.

Somit bekommen Verlage ein Problem. Die Bereiche Layout und Korrektorat können andere Dienstleister übernehmen. Wozu brauchen Lektoren Verlage? Unerwünschte Manuskripte können auch andere in Papierkörbe werfen. Sie können frei beruflich tätig sein. Und noch eine unbequeme Wahrheit: Das meiste, was früher für ihn andere erledigen mussten, schafft der eBook Autor heute allein. Klinken putzen? Das macht dann nur noch die Reinigungskraft.

Jeder, der etwas zu erzählen hat, kann ein eBook schreiben. Jeder, der sich mit einem PC auskennt und eine Tastatur bedienen kann, wird in der Lage sein, eine Textdatei in ein eBook Format umzuwandeln. Somit entfallen Druckkosten, Kopierkosten und Portokosten. Es liegen keine Absagen von Verlagen mehr im Briefkasten.

Die Qualität ist dabei nicht das Thema, die Story muss fesseln und eine gewisse Orthographiesicherheit aufweisen, dann passt eigentlich schon alles. Man kann es anhand der vielen Fantasyromane,  Thriller  und Krimis nachvollziehen, die eine große Fangemeinde haben.

Die komplette Branche, die sich an den Autoren gesundgestoßen hat, wird plötzlich kaum noch gebraucht.

Allein die Nostalgiker unter den Lesern werden nie auf das gedruckte Buch verzichten.

Der Vorteil des Schläfers

Wie hätten wir den 11. September verhindern können? Wie die Bluttat von Norwegen? Wie den Tod von Amy Winehouse?

Fragen nur mit dem Zweck, einen Schuldigen zu finden, der mitverurteilt werden kann. Die krankhafte Suche nach dem Verantwortlichen.

 Was hätten wir tun können? Nichts! Niemand kann an allen Orten der Welt gleichzeitig sein, um Terror, Tode und Selbstmorde zu verhindern. Die passieren dort, wo sie am allerwenigsten vermutet werden, weil der Fokus auf andere Orte gerichtet ist. Wenn es Botschaften gibt, werden sie überhört.  Signale werden ignoriert.

Spätestens seit Natascha Kampusch und Josef Fritzl weiß jeder, dass das Dunkle wie in einer Parallelwelt neben dem Alltäglichen unbemerkt existieren kann. In der Stadt und auf dem Land. Um dem vorzubeugen, müssten regelmäßig Hausdurchsuchungen durchgeführt werden.

Kein Wunder, dass Anders A. Breivik ungehindert seine Taten planen konnte.

Ein Breivik wohnt in jeder Stadt, er ist ein Schläfertyp. Manchmal ist er organisiert, manchmal allein. Der Hass auf irgendeinen Feind schläft oder richtet sich gegen sich selbst. Alkohol und Drogen, Suizidversuche sind einige Möglichkeiten, einem verhassten System zu entkommen, auch wenn sie dieses nicht ändern, so ändern sie wenigstens den Blick.

Manchmal spielen sich Taten nur im Kopf ab und bleiben auch dort. Viele  Hasser sind froh, wenn andere die Arbeit erledigen.

Ein Schläfer ist wie eine Maschine, die nach Regeln funktioniert. Sein Zorn muss sich nicht sofort entladen, er braucht keinen Impuls, keinen Trigger.  Seine Stärke ist Selbstdisziplin. Er fällt nicht auf, lebt normal und unauffällig. Andere finden ihn nett. Er hat oft Familie und Kinder oder ist der hilfsbereite Nachbar. Er regt sich nicht auf, sondern schweigt. Er genießt die Verwaltung der Zeit und Geduld wie guten Cognac und wartet dabei nur auf den Weckruf.

Das unterscheidet ihn noch vom zornigen Staatsbürger, der immer mehr versklavt wird und ein schnelles Ventil braucht: ein Saufgelage, einen Zerstörungszug durch Straßen oder eine Schlägerei. Mancher verprügelt Frau und Kinder.

Der gefährliche Cocktail aus Politikverdrossenheit und Verbürokratisierung, Entmündigung und Entwürdigung, sowie erhöhter Gewaltbereitschaft wird auch hier eines Tages ausreichen, um Schläfer zu wecken.

Man kann es noch jeden Tag verhindern.  

Es geht auch anders

Aufmerksamkeit ist mir mit meiner Bitte um Testleser im Forum bei Amazon auf jeden Fall zuteil geworden. Auch wenn das Feedback unerwartet war.

Da sich dort gern Trolle und Möchtegernfachleute herumtreiben, bekam ich gleich die volle Ladung. Diese überheblichen Zeitgenossen nutzen gern die öffentliche Bühne für ihre Egomanie. Man ist dort anonym, kann sich als Verleger oder Autor ausgeben, ohne Beweise vorzulegen.

Man warf mir tatsächlich vor, ich würde mich angegriffen fühlen, obwohl doch der erste Kommentator sich gleich im Ton vergriff und  eBook Autoren pauschal niedermachte und von Werbemüll sprach.

Ihm sprangen dann gleich weibliche Userinnen zur Seite, wovon die eine dann zum Sprachrohr für eine andere wurde. Wahrscheinlich verbirgt sich sogar hinter drei Benutzernamen ein und dieselbe Person.

Manche der ersten Kommentare mögen manchmal noch hilfreich sein, aber dann wird daraus in den meisten Fällen eine unsachliche Schlammschlacht. Kennt einen ja keiner.

Erniedrigung und Demütigung machen Spaß. Ob das bei denen im Arbeitsleben auch so ist?

Aber ein paar Kommentare erreichten mich über meine Mailadresse. Ich profitierte von einigen sehr nett formulieren und konstruktiven Tipps, die sich tatsächlich auch mit der Sache an sich beschäftigten und nicht mit mir als Person. Eine wirkliche Hilfestellung. Dadurch konnte ich nur gewinnen.

Kleiner Sturm in meinem Wasserglas

Im Forum Romane bei Amazon habe ich nach Testlesern für meinen Roman gesucht.

Sogleich folgte die erste Verbalattacke des so genannten Literaturkritikers, der vermutlich aus dem Reich der Fantasy kommt (Troll). Seinen Kommentar sehe ich positiv, denn negative Beiträge locken – warum bloß? – gleich Neugierige an, die sich subbito ins Getummel mischen. 

Es amüsiert mich immer, wenn Bücher in den Bestsellerlisten erscheinen, die angeblich keiner liest, die gerade mal einen Bewertungsstern haben, wie z.B. Romane über gewisse seichte Körperlandschaften, die mit Hingabe vernachlässigt werden. Aber sie werden mit der gleichen Panik gekauft wie Lebensmittel einen Tag vor dem Weltuntergang. Weil die Leute mitreden wollen? Weil sie etwas verpassen könnten? Weil Medien sie empfehlen oder verreißen?

Auf jeden Fall war erstmal Traffic auf Amazon, mein Buch rutschte einige Plätze nach vorn, man klimperte auf den Hilfreich und Nichthilfreichtasten herum, weil dabei ja jeder schön anonym bleiben kann.

AutoreInnen ohne Verlag stehen sehr einsam da,  sie sind allein im Haifischbecken. In einer Welt, die nicht nur gut ist. Sie heißen Indies, wobei der Ursprung des Begriffs nichts mit Indien oder mit Indern zu tun hat. Er bedeutet independent (unabhängig) und bezeichnet  jeden Kreativen, der sich auf diese Art selbst herausbringt.  Indie klingt trotzdem negativ. Schon wegen der Verniedlichung. Heidi wird weniger ernst genommen als Adelheid. Auch andere Assoziationen sind möglich, schmeicheln aber genausowenig.

Das wusste ich, und ich hielt das aus. Es waren auch wirklich konstruktive Vorschläge dabei. Außerdem war ich froh, dass sich überhaupt ein paar bemüht hatten, Kommentare abzugeben.

Ich entrüste mich allerdings über Verallgemeinerungen wie diese:  ‚Ich lese nichts von Autoren, die von Verlagen abgelehnt wurden‘, oder ‚Bücher, die nicht verlegenswürdig sind’…..

Dabei hat eine Absage oft  nichts mit der Qualität des Manuskripts zu tun.

1.Nicht jeder E-Book Autor hat sein Manuskript überhaupt an Verlage geschickt und ist deswegen natürlich auch nicht abgelehnt worden.

2. Auch sehr gute Schriftsteller werden nicht verlegt. Verlage sichern ihre Existenz lieber mit übersetzten Bestsellern aus anderen Ländern oder mit ihren Hausautoren.

3. Viele Autoren, denen das Klinkenputzen nichts ausmachte, steckten viele Absagen ein, bevor sie dann plötzlich doch herausgebracht wurden und  Bestseller landeten.

4.Die meisten Autoren haben vorher Preise gewonnen, mit ihnen geht der Verlag ein nicht so großes Risiko ein wie mit einem Autodidakten oder Hobbyschreiber.

5. Auch Lektoren haben ihre schlechten Tage. Manche haben schon oft bereut, einen Roman abgelehnt zu haben, der hinterher bei einem anderen Verlag ein Bestseller wurde.