Archiv der Kategorie: Sonstiges

Die Renaissance der Kurzgeschichte

Bitte senden Sie uns keine Kurzgeschichten oder Lyrik, so lauten die Hinweise auf den Seiten der Verlage. Wenn sie schon mit Manuskripten überhäuft werden, dann möge man sie wenigstens mit den Genres verschonen, die kaum ein Mensch liest.

Genau wie Anthologien und Biografien haben sie nur eine kleine Liebhabergemeinde. Wer quält sich schon gern durch Hunderte von Seiten Lebensbeichte, wenn sie nicht von Keith Richards oder Michail Gorbatschov geschrieben sind?  Die breite Masse der Leser liest Romane. Belletristik.

Der Literaturkosmos beginnt sich aber dank des eBooks zu verändern. Im Prinzip ist es noch unfassbar, welches weite Feld hier überhaupt auf seine Bestellung wartet.

In einem Forum las ich den Beitrag eines Lesers, der zum Lesen nur noch einen Reader einsetzt und sich an einer aktuellen Diskussion pro oder kontra Printbuch beteiligte. Sein Argument war:

Zum Lesen einer kurzen Geschichte auf dem Reader findet sich immer Zeit, in der Bahn, im Bus auf dem Weg zur Arbeit. Als Beifahrer. Beim Sitzen im Wartezimmer und bei noch so vielen Gelegenheiten. Warum nicht auch zum Beispiel in der Kassenschlange im Supermarkt? Jeder weiß, wie quälend langsam  die Zeit bei Ämtern, Ärzten etc. vergeht. Eine Kurzgeschichte kann auch eine kurzweilige Bettlektüre sein. Hat nicht jeder Autor irgendwo die Idee für eine KG im Kopf oder bereits auf Papier gebracht in der Schublade liegen? Hat nicht schon mancher Schriftsteller bedauert, dass Verlage so ungern  Kurzgeschichten erhalten? Ausnahmen bilden da ein paar AutorInnen, die mit ihren Werken zu bekannten Autoren wurden. Allerdings hatten sie vorher schon Preise erhalten und waren im Gespräch. Der Verlag riskierte also nichts.

Ich prophezeie der Kurzgeschichte eine Renaissance. Sie wird vielleicht sogar den Roman irgendwann ablösen. Vielleicht werden auch andere Erzählformen aus der Taufe gehoben, wie beispielsweise Novelle oder  Little  Roman. Texte, die dann eine bestimmte Seitenzahl nicht überschreiten.

Meiner Meinung nach ist hier auch das Trittbrett, auf welches der Indie Autor aufspringen kann. Es vereinfacht auch das gegenseitige Lesen und Bewerten der Texte.  Auch von Lesern mit Vorbehalten gegen diese Literaten wird eine KG womöglich eher angenommen.

Ein Printbook mit einer 10seitigen Kurzgeschichte gibt es nicht. Das wäre ein dünnes Heft und kein Buch. Dafür würde sich keine Werbung lohnen, das würde auch niemand kaufen, und im Bücherregal macht es auch nichts her. Ein digitales Buch kann sogar nur fünf Seiten enthalten, das interessiert den PC und den Reader nicht. Niemand presst es zwischen zwei Buchdeckel oder dünne Pappe. Ein Leseerlebnis ist nicht mit der Zahl 100 Seiten verbunden.  Die Chance, dass ein Leser die 10-20seitige Kurzgeschichte von einem unabhängigen Schriftsteller liest, ist sehr gut.

Auch für den Self-Publisher ist es eine Entlastung, wenn er weiß, dass er nicht 500 Seiten in 12 Monaten umsonst schreibt, sondern nur 20 in 2 Wochen. Während die eine Short Story veröffentlicht ist, kann er sofort mit der nächsten beginnen. Sobald es Kritiken hagelt, kann er die Fehler als Herausforderung sehen und sie beim neuen Versuch gleich gar nicht erst machen. Wenn er seine Werke total vergeigt hat, benutzt er ein neues Pseudonym. Auch das ist ein gewaltiger Vorteil.

Die Kurzgeschichte ist durch ihre Dichte – die Technik sollte der Autor natürlich beherrschen –  mehr auf unsere schnelllebige Zeit zugeschnitten. Diese Zeit lässt sich nicht mehr aufhalten.

Der eBook Autor erkennt den Bedarf, vor ihm allein liegt der unendliche Acker, den er nur bestellen muss. Wenn er dann auch noch in den beliebten Genres Horror, Krimi, Fantasy und Erotik Fuß fassen kann und will, gehört die Zukunft ihm.

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Handwerk versus Esoterik

Besonders jene, die mit dem Schweiß anderer (in diesem Fall der Arbeit der Schreibenden) Geld verdienen wollen, drängen gern abstrakte Begriffe wie Kreativität und Intuition in den Hintergrund und reduzieren das Talent des Schreibens auf das nackte Handwerk, das jeder erlernen kann. Selbstverständlich bieten sie auch an, dieses Handwerk zu vermitteln. In Seminaren, im Fernstudium, Face to face oder als kompaktes Wissen, zwischen zwei Buchdeckel gepresst.

Ich weiß, dass diesen Leuten inzwischen viele Hobbyautoren wie Fliegen auf den Leim gehen. Auch deshalb werden die Reihen der erfolglosen Dichter nicht lichter, nur die Krimiautoren unter ihnen potenzieren sich seither. Der Krimi scheint ein dankbares Genre zu sein, warum auch immer.

Seltsamerweise wirken auf mich sämtliche „nur“ handwerklich hergestellten Werke wie aus ein und derselben Wolle gestrickt, nur mit anderen Mustern. Das, was ein Buch lebendig macht, fehlt. Aber Bücher müssen leben – das gilt besonders in der Belletristik. Kreativität und Intuition müssen vorhanden sein. Intuition ist demnach überhaupt keine Fähigkeit, sondern ein Begriff, der in die Esoterik gehört. Der berühmte Funke, die Muse, die Eingebung, all das gibt es demnach nicht.

Die Kunst, anders als der Mainstream zu formulieren, abstrakt zu werden, mit Sätzen zu spielen, virtuos Tempus, Modus und Perspektive wechseln zu können, Gefühle einzubringen und mit dem Geschriebenen zu verwachsen, das kann ein Handwerkkurs kaum lehren. Denn er orientiert sich nur an einem starren Gerüst, erlaubt aber kaum Spielerei. Das simpelste Beispiel dafür ist der Satzbau. Die Meister der verschachtelten Sätze werden berühmt und gern gelesen, sie zählen zur anspruchsvollen Literatur, während Dozenten des Handwerks ausdrücklich zu kurzen Sätzen raten. Subjekt – Prädikat – Objekt. Einfache Nebensatzkonstruktionen. Viertklässler Grammatik, denn damit steht jeder Schreibende erst einmal auf der sicheren Seite. Aber wie langweilig liest sich das.

Für Literatur von der Stange sind Handwerk und gute Recherche wichtig, gern auch noch ein paar Co – Autoren, die aus dem Hintergrund zuarbeiten. Damit kann man Satz an Satz reihen. Man erkennt diese Bücher sofort. Orthografisch sind sie perfekt, aber der Fantasie stecken sie die Grenzen enger. Protagonisten und Antagonisten und Schauplätze werden ausgetauscht, die Handlung verändert, aber der Autor bleibt meistens seinem Genre, z.B. dem Krimi, treu. Hauptsache, der Leser bekommt mindestens jedes Jahr ein neues Werk vom Lieblingsautoren.

Darum erkennt jeder Leser sofort ‚King‘, ‚Chrichton‘ oder ‚Follet‘ wieder. Diese Bücher werden verschlungen, aber werden sie auch geliebt?

Beim Sachbuch ist das Handwerk wichtiger als Fantasie, der Rahmen ist enger gesteckt. Ein Leser, der z.B. Informationen über ein bestimmtes Land erhalten möchte, ist zwar über einen lockeren, flüssigen Sprachstil sicherlich erfreut, aber eine Abschweifung zu einem Krimi oder zur eigenen Love-Story des Autors, selbst wenn sie sich in dem bestimmten Land abgespielt hat, wird ihn weniger begeistern.

Das Phänomen der Wortverweigerung

Worte haben Macht. Das wissen wir, und darüber müssen wir nicht diskutieren.

Dabei kann es leicht zur Wortverschwendung kommen. Zu rhetorischen Ergüssen – von Mimik und Gestik untermalt,  deren Inhaltsqualität bei Null Prozent liegt. Dieses Modell ist in der Politik sehr häufig zu beobachten.

Schon länger beobachte ich das Phänomen der Wortverweigerung. Oder Wortvorenthaltung. Reduktion der Kommunikation aufs Nötigste. Im alltäglichen Leben verweigern Menschen anderen Menschen Worte. Denn Worte bedeuten Macht. Wortverweigerung ist ebenfalls Macht.

Bei Ämtern, Behörden, in Arztpraxen und sogar im heimischen Supermarkt wird dieses Verfahren gerade erfolgreich getestet. Da es sich so gut bewährt, kommt es dauerhaft zum Einsatz. Es verursacht keine Kosten und hält die Bevölkerung bewusst dumm.

Bitte verwechseln Sie die Verweigerung nicht mit den Situationen, in denen uns vor Schreck die Worte im Hals stecken bleiben. Oder vor Verwunderung.

Die Verkäuferin an der Käsetheke möchte gar nicht mehr wissen, ob die alte, kranke Dame 600 g Leerdammer geschnitten haben möchte, sie setzt voraus, dass sie ihn am Stück möchte. Sie setzt das Messer gleich am Käselaib an, bevor Omi ihren Wunsch zu Ende formuliert hat. Mit Blick auf die wartende Schlange und wegen der heutigen personaltechnischen Probleme erledigt sich die Frage, die gar nicht gestellt wurde, von allein. Da also sind die Menschen, die motiviert, dynamisch und froh über einen Arbeitsplatz sind. Schweigsam sind sie oft, als würde ihre Energie bei anderen Dingen verpuffen. Zum Beispiel bei der Frage, die völligen Einsatz und Elan bedeutet: „D a r f   e s  n o c h   e t w a s   m e h r  s e i n?“

Nehmen wir den Sachbearbeiter/Kundenberater im Amt Soundso, der uns am Schreibtisch gegenüber sitzt, gelangweilt unsere Daten am PC eingibt, uns bohrt und festnagelt mit seinen penetranten Fragen, aber seine Informationen nur auf das Notwendigste beschränkt. Oh, wie wundervoll ist Macht. Geistiger Kaviar schlechthin.

Der Sachbearbeiter ist zur Auskunft verpflichtet, und er gibt auch Auskunft. Nicht mehr und nicht weniger, er hält sich an Vorgaben, er bekommt schließlich keine Wortprovision. Er macht sich nicht strafbar, wenn er seinem Klienten oder Kunden Ratschläge vorenthält. Sein Selbstvertrauen leidet auch nicht, wenn ihm als ausgebildeter Fachkraft  von seinem Gegenüber mit der Sachlage auf die Sprünge geholfen wird.

Im medizinischen Bereich ist es nicht besser. Fachangestellte werden nicht  nach Wörtern bezahlt. Sie sind so schweigsam, dass ich mittlerweile glaube, sie beschützen die Ärztin/den Arzt. Vor der Belästigung durch den Patienten? Wörter lassen sich schwer abrechnen, so lange es an einer Wortzählmaschine fehlt.

Solche Fragen wie: ‚Haben Sie die OP gut überstanden?‘, ‚Wie geht es Ihnen heute?, Haben Sie sich in der REHA gut erholt?‘, Wie fühlen sie sich?‘, wird man selten hören, sie sind leider nicht automatisch mit der Praxisgebühr vergolten. Ohnehin kennen die Mitarbeiter an der Rezeption die Kranken nicht mehr persönlich und hören dessen Leidensgeschichte gern ein zweites und drittes Mal. Nur in Stichworten natürlich. Eine Arztpraxis ist heute mehr und mehr als Flughafen Terminal zu verstehen.

Der Hausarzt weiß nichts vom Facharzt, der Facharzt weiß nichts vom Hausarzt, der Patient erzählt bei jedem Arzt die gleiche Geschichte wieder von Anfang an, obwohl die Berichte bei jedem liegen.  

Überall das gleiche Spiel. Man rennt von einer Stelle zur anderen. Telefoniert mit jenem und diesem. Stattdessen vergrößert sich der Verwaltungsberg. Vielleicht sagen Akten und PC Daten mehr aus für Ärzte und Sacharbeiter, als Augen und Allgemeinzustand eines Kranken oder die Erzählungen eines Kunden.

Wortverweigerung ist nicht strafbar, wodurch sie sich von Lüge, Betrug oder Beleidigung unterscheidet.

Let me in Peace

Die Zahl meiner Twitter Follower nähert sich der magischen Hundert. Ich bin gespannt, ob sie mir am Wochenende entgegenblinkt.
Auf jeden fünften vernünftigen Follower kommt einer dieser Spamtwitterer, wie ich sie inzwischen nenne.
Eine Horde von Trittbrettfahrern, die aufspringen möchte, um sich an mir – in meiner Funktion als eBook-Autorin – zu bereichern.
Let me in peace!
Die Einzige, die sich an mir gesundstoßen darf, bin ich selbst.
Spamtwitterer tweeten stündlich und öfter ihre Werbung ins Twittiversum. Die dürfen das, während ich mich als unabgängige Autorin gefälligst ganz bescheiden in den Hintergrund zu drängeln habe oder dorthin verbannt werde. Im literarischen Aus habe ich zu warten, bis sich jemand erbarmt, meine Schreibe zu lesen und auch noch zu kaufen.
Sobald einer von uns für sich die Werbetrommel rührt, wird er zur Dartscheibe. Die Pfeile fliegen geradewegs ins Zentrum.
Würde ich so unermüdlich penetrant und stündlich meine Eigenwerbung hinaus tröten, hätte ich wohl bald keine Follower mehr.
Ein Literat wie unsereins ist ein Einzelkämpfer in einer community von Einzelkämpfern. Niemand tritt uns die Türen ein, um uns auf die Siegertreppe zu befördern.
Wenn einer von uns es schafft, dann nur durch Fleiß und Arbeit an sich selbst und am Werk. Verbessern, und noch mal verbessern. Man muss sich aus der Asche immer wieder neu gebären.
Eine Portion Fortuna gehört auch dazu.

Meine Macht besteht darin, diesen grünen ‚Folgen‘ Button einfach zu ignorieren.

Meine Empfehlung

My short Story nennt sich dieser virtuelle Marktplatz (Link ist in der Seitenleiste).  Scheinbar ist er noch im Aufbau. Die Anzahl der Mitglieder betrug bei meiner Anmeldung 155 .

Das Design empfand ich sofort als positiv, professionell und nicht zu überladen. Die Navigation ist übersichtlich und einfach. Ein Forum gibt es auch. Die Vorgehensweise wird sehr gut erklärt. Fragen werden ausführlich in den FAQs beantwortet.

AutorInnen können dort lesen, bewerten, diskutieren und selbst veröffentlichen. Hat nicht jeder Autor irgendwo die Idee für eine KG im Kopf oder bereits auf Papier gebracht in der Schublade liegen? Hat nicht schon mancher Schriftsteller bedauert, dass Verlage so ungern  Kurzgeschichten erhalten? Ausnahmen bilden da ein paar AutorInnen, die mit ihren Werken zu bekannten Autoren wurden. Allerdings hatten sie vorher schon Preise erhalten und waren im Gespräch. Der Verlag riskierte also nichts.

Mein vorletzter Beitrag befasste sich schon mit dem Thema Kurzgeschichte. Ich prophezeie der Kurzgeschichte eine Renaissance. Sie wird vielleicht sogar den Roman irgendwann ablösen. Vielleicht werden auch andere Erzählformen aus der Taufe gehoben, wie beispielsweise Novelle oder  Little  Roman. Texte, die dann eine bestimmte Seitenzahl nicht überschreiten.

Meiner Meinung nach ist hier auch das Trittbrett, auf welches der Indie Autor aufspringen kann. Es vereinfacht auch das gegenseitige Lesen und Bewerten der Texte.  Auch von Lesern mit Vorbehalten gegen diese Literaten wird eine KG womöglich eher angenommen.

Besonders erfreut war ich, dass dort die übliche Community Fantasy, Horror und Krimi nicht so vertreten ist. Nicht, dass ich etwas dagegen hätte. Doch fast auf fast jeder  Plattform, die eBooks veröffentlicht, ist die Community überwiegend auf diese Genres eingefahren.  Auf My Short Story  wird auch anderen Themen viel Platz gegeben.

Ein großer Nachteil ist noch, dass man nichts in E-Book Readerformaten wie E-Pub verkaufen kann. Es werden nur PDF Dateien akzeptiert. Möglicherweise wird hier noch nachgebessert.

Bezahlung erfolgt dann über Pay Pal.

Geschichten, die für Jugendliche unter 16 Jahren nicht geeignet sind, werden nicht veröffentlicht.

Bücher, die die Welt (nicht) braucht

In aller Munde: der neue Roman ‚Schoßgebete‘ von der Spezialistin des Schmuddels  C.Roche.

Ich habe ihn nicht gelesen und werde ihn nicht lesen.

Aber ich sehe daran, wie es einer gigantischen Medienmaschinerie gelingt, ein Werk nur durch Werbung zum Verkaufsschlager zu machen. Die Medien machen aus jedem Buch ein interessantes Buch und oft aus einem schlechten auch ein gutes.

Werbung, die unsereins weiß Gott gut gebrauchen könnte. Selbst Trommeln und Schaumschlagen sind nicht die Mittel, die ein unbekannter  Autor einsetzen sollte. Dafür wird er in der Szene schnell gemobbt.

Der Weg zum Bestseller ist somit durch die Kritiken in den Medien vorgezeichnet. Aber Bestseller ist nicht unbedingt das Attribut für gute Literatur. Das mag für die erfolglosen Schriftsteller ein schwacher Trost sein.

Wer auf die entsprechende Seite einer Onlinehändlers geht, liest dort überwiegend negative Rezensionen. Was haben diese Leser erwartet? Eine Läuterung zur christlichen Autorin? Sie wussten genau, was sie für knappe 20 Euro erwarben.

Wenn jemand eine Freundin wie Roche hat, oder eine Nachbarin, wird er ihr irgendwann dringend psychotherapeutische Hilfe anraten. Diese genießt allerdings die (in der Kindheit nicht vorhandene?) Zuwendung und Aufmerksamkeit mit jedem Zeitungsartikel und mit jeder Fernsehsendung.

Es beweist, dass sich fast jeder, der sein Gesicht schon der  Öffentlichkeit präsentiert hat und hier und da ein Skandälchen vorweisen kann,  gleich zum Schreiben genötigt fühlt, und was viel schlimmer ist, seine Ergüsse auch noch verkauft. Jene, die diese Bücher erwerben, beweisen das.

Ich bin noch in der Lage, Ekel zu empfinden, und darauf bin ich stolz. Die Rezensionen über das Werk der Fäkalienliteratin reizen meine Magenschleimhaut bereits, ohne, dass ich einen Satz lesen muss.

Der Vorteil des Schläfers

Wie hätten wir den 11. September verhindern können? Wie die Bluttat von Norwegen? Wie den Tod von Amy Winehouse?

Fragen nur mit dem Zweck, einen Schuldigen zu finden, der mitverurteilt werden kann. Die krankhafte Suche nach dem Verantwortlichen.

 Was hätten wir tun können? Nichts! Niemand kann an allen Orten der Welt gleichzeitig sein, um Terror, Tode und Selbstmorde zu verhindern. Die passieren dort, wo sie am allerwenigsten vermutet werden, weil der Fokus auf andere Orte gerichtet ist. Wenn es Botschaften gibt, werden sie überhört.  Signale werden ignoriert.

Spätestens seit Natascha Kampusch und Josef Fritzl weiß jeder, dass das Dunkle wie in einer Parallelwelt neben dem Alltäglichen unbemerkt existieren kann. In der Stadt und auf dem Land. Um dem vorzubeugen, müssten regelmäßig Hausdurchsuchungen durchgeführt werden.

Kein Wunder, dass Anders A. Breivik ungehindert seine Taten planen konnte.

Ein Breivik wohnt in jeder Stadt, er ist ein Schläfertyp. Manchmal ist er organisiert, manchmal allein. Der Hass auf irgendeinen Feind schläft oder richtet sich gegen sich selbst. Alkohol und Drogen, Suizidversuche sind einige Möglichkeiten, einem verhassten System zu entkommen, auch wenn sie dieses nicht ändern, so ändern sie wenigstens den Blick.

Manchmal spielen sich Taten nur im Kopf ab und bleiben auch dort. Viele  Hasser sind froh, wenn andere die Arbeit erledigen.

Ein Schläfer ist wie eine Maschine, die nach Regeln funktioniert. Sein Zorn muss sich nicht sofort entladen, er braucht keinen Impuls, keinen Trigger.  Seine Stärke ist Selbstdisziplin. Er fällt nicht auf, lebt normal und unauffällig. Andere finden ihn nett. Er hat oft Familie und Kinder oder ist der hilfsbereite Nachbar. Er regt sich nicht auf, sondern schweigt. Er genießt die Verwaltung der Zeit und Geduld wie guten Cognac und wartet dabei nur auf den Weckruf.

Das unterscheidet ihn noch vom zornigen Staatsbürger, der immer mehr versklavt wird und ein schnelles Ventil braucht: ein Saufgelage, einen Zerstörungszug durch Straßen oder eine Schlägerei. Mancher verprügelt Frau und Kinder.

Der gefährliche Cocktail aus Politikverdrossenheit und Verbürokratisierung, Entmündigung und Entwürdigung, sowie erhöhter Gewaltbereitschaft wird auch hier eines Tages ausreichen, um Schläfer zu wecken.

Man kann es noch jeden Tag verhindern.  

Es geht auch anders

Aufmerksamkeit ist mir mit meiner Bitte um Testleser im Forum bei Amazon auf jeden Fall zuteil geworden. Auch wenn das Feedback unerwartet war.

Da sich dort gern Trolle und Möchtegernfachleute herumtreiben, bekam ich gleich die volle Ladung. Diese überheblichen Zeitgenossen nutzen gern die öffentliche Bühne für ihre Egomanie. Man ist dort anonym, kann sich als Verleger oder Autor ausgeben, ohne Beweise vorzulegen.

Man warf mir tatsächlich vor, ich würde mich angegriffen fühlen, obwohl doch der erste Kommentator sich gleich im Ton vergriff und  eBook Autoren pauschal niedermachte und von Werbemüll sprach.

Ihm sprangen dann gleich weibliche Userinnen zur Seite, wovon die eine dann zum Sprachrohr für eine andere wurde. Wahrscheinlich verbirgt sich sogar hinter drei Benutzernamen ein und dieselbe Person.

Manche der ersten Kommentare mögen manchmal noch hilfreich sein, aber dann wird daraus in den meisten Fällen eine unsachliche Schlammschlacht. Kennt einen ja keiner.

Erniedrigung und Demütigung machen Spaß. Ob das bei denen im Arbeitsleben auch so ist?

Aber ein paar Kommentare erreichten mich über meine Mailadresse. Ich profitierte von einigen sehr nett formulieren und konstruktiven Tipps, die sich tatsächlich auch mit der Sache an sich beschäftigten und nicht mit mir als Person. Eine wirkliche Hilfestellung. Dadurch konnte ich nur gewinnen.

Kleiner Sturm in meinem Wasserglas

Im Forum Romane bei Amazon habe ich nach Testlesern für meinen Roman gesucht.

Sogleich folgte die erste Verbalattacke des so genannten Literaturkritikers, der vermutlich aus dem Reich der Fantasy kommt (Troll). Seinen Kommentar sehe ich positiv, denn negative Beiträge locken – warum bloß? – gleich Neugierige an, die sich subbito ins Getummel mischen. 

Es amüsiert mich immer, wenn Bücher in den Bestsellerlisten erscheinen, die angeblich keiner liest, die gerade mal einen Bewertungsstern haben, wie z.B. Romane über gewisse seichte Körperlandschaften, die mit Hingabe vernachlässigt werden. Aber sie werden mit der gleichen Panik gekauft wie Lebensmittel einen Tag vor dem Weltuntergang. Weil die Leute mitreden wollen? Weil sie etwas verpassen könnten? Weil Medien sie empfehlen oder verreißen?

Auf jeden Fall war erstmal Traffic auf Amazon, mein Buch rutschte einige Plätze nach vorn, man klimperte auf den Hilfreich und Nichthilfreichtasten herum, weil dabei ja jeder schön anonym bleiben kann.

AutoreInnen ohne Verlag stehen sehr einsam da,  sie sind allein im Haifischbecken. In einer Welt, die nicht nur gut ist. Sie heißen Indies, wobei der Ursprung des Begriffs nichts mit Indien oder mit Indern zu tun hat. Er bedeutet independent (unabhängig) und bezeichnet  jeden Kreativen, der sich auf diese Art selbst herausbringt.  Indie klingt trotzdem negativ. Schon wegen der Verniedlichung. Heidi wird weniger ernst genommen als Adelheid. Auch andere Assoziationen sind möglich, schmeicheln aber genausowenig.

Das wusste ich, und ich hielt das aus. Es waren auch wirklich konstruktive Vorschläge dabei. Außerdem war ich froh, dass sich überhaupt ein paar bemüht hatten, Kommentare abzugeben.

Ich entrüste mich allerdings über Verallgemeinerungen wie diese:  ‚Ich lese nichts von Autoren, die von Verlagen abgelehnt wurden‘, oder ‚Bücher, die nicht verlegenswürdig sind’…..

Dabei hat eine Absage oft  nichts mit der Qualität des Manuskripts zu tun.

1.Nicht jeder E-Book Autor hat sein Manuskript überhaupt an Verlage geschickt und ist deswegen natürlich auch nicht abgelehnt worden.

2. Auch sehr gute Schriftsteller werden nicht verlegt. Verlage sichern ihre Existenz lieber mit übersetzten Bestsellern aus anderen Ländern oder mit ihren Hausautoren.

3. Viele Autoren, denen das Klinkenputzen nichts ausmachte, steckten viele Absagen ein, bevor sie dann plötzlich doch herausgebracht wurden und  Bestseller landeten.

4.Die meisten Autoren haben vorher Preise gewonnen, mit ihnen geht der Verlag ein nicht so großes Risiko ein wie mit einem Autodidakten oder Hobbyschreiber.

5. Auch Lektoren haben ihre schlechten Tage. Manche haben schon oft bereut, einen Roman abgelehnt zu haben, der hinterher bei einem anderen Verlag ein Bestseller wurde. 


2011 – Schlagzeilen in Serie

Das Jahr hat schon in der ersten Hälfte seine Schlagzeilen gehabt:

Erdbeben, Tsunami, Fukushima,

EHEC,

auch Vulkane spuckten wieder.

Schirme wurden auch gespannt, auch wenn sie weder gegen Sonne, Schnee, Hagel noch Regen schützen.

Und als es wieder langweilig wurde und die Medien uns mit merkelschen Portraits und Grimassenschneidereien verwöhnen wollten, aber nur ermüdeten, als die Weltbühne schon wieder im Sommerloch versinken wollte, da passierte  eine Tragödie in Norwegen. Eine Bombenexplosion in Oslo und ein Blutbad auf der Insel Utøya, bei dem nach aktuellem Stand fast 100 Menschen ums Leben kamen.

Die Vorgehensweise des mutmaßlichen Täters passt nicht zu dem üblichen Täterprofil, welches schnell bei solchen Anschlägen zur Hand ist.

Gerade, weil auch die Hauptstadt Oslo durch eine Bombenexplosion betroffen war, wurden zunächst Islamisten verdächtigt. Islamisten krönen ihre Tat fast immer durch Selbstmord. Dieser verhindert gleichzeitig, dass man ihnen Geständnisse mit Gewalt abnimmt. Das befürchtet der  Täter vermutlich nicht, ihm scheint völlig egal zu sein, dass er schnell gefasst wurde und vielleicht die nächsten Jahrzehnte hinter Gittern verbringen wird.

Sofort tun sich die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele auf, die steigende Gewaltbereitschaft und Skrupellosigkeit, mit der immer mehr Täter vorgehen. Die emotionale Kälte, die insgesamt auf der Welt erschreckend zunimmt. Nur eins passt diesmal  nicht: Er sieht aus wie der nette Nachbarsjunge, fiel bis kurz vor seiner Aktion nie besonders auf, weder positiv noch negativ. Ein Typ, mit dem eine Tochter durchaus zuhause erscheinen kann.

Die Tatsache, dass jemand über Dreißig noch bei seiner Mutter lebt, mag manchen vielleicht verstören, aber das macht ihn nicht zum Kriminellen.

Nach und nach werden neue Details bekannt. Demnach sei der Mann  rechtsextrem gewesen, aber liefert das schon einen Grund, fast 100 Menschen, Jugendliche,  brutal niederzumetzeln?

Die Frage nach dem Motiv des 32jährigen bleibt also.