Immer diese Schaumschlägerei

Heute las ich den Bericht einer Indieautorin, die ihre Einnahmen für den Monat April veröffentlicht hat. Demnach um die 180 Euro für 7 eBooks á 99 Cent und 1 eBook für 2,99 Euro.

Die Zahlen sind ohne Zweifel sehr beeindruckend. Und für einen Indie, der davon nicht leben muss, bedeuten sie auf jeden Fall eine gute Geldquelle.

Mich stört dabei nur, dass weder:

– erwähnt wird, ob diese Einnahmen einen Durchschnittswert für mehrere Monate darstellen oder ob es sich um eine ‚einmalige‘ Sache handelt.
-noch in diesem Artikel berichtet wird, ob sie durch eine Marktstrategie wie KDP -Select von Amazon zustande kamen.

Eventuell wurden einige oder alle Books bei KDP Select angemeldet, und dann würde sich schon einiges erklären.

Jedes Buch wird erst einmal kostenlos zum Download angeboten und direkt an die Spitze gespült. Dann bleibt es noch einige Wochen vorne in den Charts. So ging es einem Freund mit einem Buch, das sich überhaupt nicht verkaufte. Nach 500 Downloads stand das Buch in den TOP 100, und er verkaufte plötzlich 70 Stück.

Bücher in den Charts ermuntern Leser zum Kauf, denn a. werden sie dort überhaupt wahrgenommen, und b. werden Bücher in den Top 100 auch für gute Bücher gehalten, ob sie es denn sind oder nicht.

Das weiß ich aus eigener Erfahrung als Indieautorin.

Ich glaube nicht, dass ein weitgehend unbekannter, neuer Autor mit einem Ebook für 2,99 Euro und 7 Ebooks á 99 Cent eine solche Summe in einem Monat erwirtschaften kann, da die Nettoeinnahmen bei 35% liegen und somit 34 Cent pro Buch dabei herauskommen.

Des Weiteren wundert mich, dass die Bücher gar nicht mehr in den Charts auftauchen und von den Rezensionen her auch nicht beeindrucken.

Ich habe 2 Bücher der Autorin gelesen und muss sagen, sie sind weder an den bekannten Indieautoren zu messen, noch ragen sie irgendwie anders heraus.

Mehrere 1 -2 Satz Rezis von einer Leserin, die inzwischen spamartig ihre Kritiken verstreut und drei weitere merkwürdige Kritiken, die der Leser anscheinend auch noch per Drag & Drop in die Kommentarfelder befördert hat, ergeben nun auch kein positives Bild.

Ich gönne jedem Autor seinen Erfolg, aber mittlerweile twittert schon jeder, wenn er für einen Tag mal auf Platz 4 in den Charts ist. Damit täuscht man sich selbst und auch die anderen.

#SampleSunday – Irrtum

Irrtum

Es begann schön mit ihm, sie war noch jung. Da begegnete er ihr. Zeitlos, geboren am frischen Weltenmorgen. Ein teuflischer Verführer.

Er half ihr, die Welt zu erobern, die Liebe. Bat sie zum Tanz in göttlichen Sphären. Er schaute nicht auf ihr Äußeres, denn er war nur auf der Jagd und warf seine Angel nach jedem aus. Er erschien ihr im schönsten Licht und schmückte sich mit vielen Farben.

Viele hatten sie vor ihm gewarnt, sie lachte nur darüber. Was konnte er ihr schon anhaben? Der unerschöpfliche Kredit ihres Lebens war nicht mal zum Viertel verbraucht. Oh, wie hatte sie ihn im Griff. Benutzte ihn, wenn ihr danach war, beachtete ihn tagelang nicht, spielte Spiele mit ihm, in denen sie immer Sieger war.

Irgendwann wurde daraus mehr, Abhängigkeit. Schwäche. Sorgen – gleich einem unbezwingbaren Berg. Da öffnete sie die Pforten zum eigenen Selbst, um ihn hereinzulassen, dass er sich dort für immer einniste.

Er ließ sie die Welt durch einen Schleier sehen, schenkte ihr Müdigkeit in vielen Nächten voller Bewusstheit und Angst. Er füllte sie und half ihr viele dunkle Jahre überstehen, ohne zu fordern. Das konnte warten. Er war sich ihrer sicher. Wie bei jedem seiner Opfer.

Manchmal, wenn er nicht bei ihr war, spürte sie Leben in sich und neue Kraft. Aber er überwältigte sie immer wieder aufs Neue, senkte sich immer wieder wie eine dunkle Wolke auf sie herab, erdrückte sie mit seiner Macht. Sie sehnte nicht selten den Tod herbei.

Er hat nichts umsonst gegeben, sie muss zahlen. Die Waage schlägt zu seinen Gunsten aus. Die Sucht nach ihm ist Qual geworden. Wärme kann er nicht mehr geben. Nur Zittern und Frost.

Im Leben ist Klarheit gefragt, und genau da ist das Problem. Er hat sich aufs Trübe, aufs Verschleiern spezialisiert. Ein Blender und Gaukler.

Die Zermürbung schreitet voran.

Er fordert einen hohen Preis. Sie.

#SampleSunday – Leseprobe

Die Kastanie

Sein wacher Geist stellte sich auch jene Frage: Ist mein Schicksal die Sühne einer Tat? Eine Strafe? Muss ich so leben, weil ich in einem anderen vorherigen Leben große Schuld auf mich geladen habe? Es kann nicht nur ein Leben geben, das wäre aufs Höchste ungerecht. Sehr ungerecht, wenn es Menschen gäbe, die gesund und zufrieden lebten, während andere litten. Erzählt mir nicht, dass jeder leiden muss. Es ist gelogen. Manche kriegen im Leben alles geschenkt. Erzählt mir auch nicht, dass jeder sich sein Schicksal selbst aussucht. Wer verbringt freiwillig sein Leben im Rollstuhl?

Das uralte Spiel der Welt – Werden und Vergehen. Tod oder Leben. Wer zog an den Fäden? Vermutlich keiner. Und deshalb konnte auch keiner zur Rechenschaft gezogen werden, für das, was tagtäglich passierte. Entsetzliche, grausame Dinge. Warum? Nur weil es das Gesetz des Seins so verlangte? Keine Antwort stellte ihn zufrieden, keine Religion spendete Trost. Denn sie wussten ja alle nichts, der Professor nicht mehr als der Müllkutscher. Der Tiefseetaucher genau soviel wie der Raumfahrer und der Gesunde nicht weniger als der Kranke. Das letzte Geheimnis blieb jedem für immer verschlossen, selbst wenn das ganze Universum und noch weitere entdeckt werden sollten. Oder doch nur ein Pokerspiel? Sinnlose Gedankensprünge. Es musste mehrere Leben geben, nur daraus nährte sich seine Hoffnung. Für dieses Leben ersehnte er sich nur das Ende. Ein schmerzloses Ende.

Seit drei Wochen hatte er die neue Pflegerin, weil die alte heiraten und umziehen wollte. Knoop hatte sie sehr gemocht, die Neue nicht. Jennrich ähnelte mehr einem Mann, mit dem dunklen Flaum über den Lippen, der schlaksigen Größe, den kurzen graumelierten Haaren und dem herben Gesicht, dessen Haut rötliche Adern durchzogen, die ansonsten aber blaß schimmerte. Beim Lachen riss sie ruckartig den Mund in die Breite und entblößte riesige Zähne und tiefrotes Zahnfleisch. Ihr Mundgeruch war zuweilen unerträglich. Oft grinste sie ohne Grund. Dem Lachen fehlte jede Herzlichkeit. Ihr Ton pendelte sich zwischen Kumpelhaftigheit und Knappheit ein, ein Gespräch konnte er mit ihr selten führen. Oftmals duzte sie ihn frech und schlug ihm dazu mit ihren kräftigen Händen kurz auf die Schulter. Zum Schein lachte Knoop mit. Oft redete sie ihn weder mit dem Nachnamen noch mit dem Vornamen, sondern mit Hey du an. Sie meckerte, schimpfte und beschwerte sich nicht laut, sie stöhnte nur leise eine sonderbar dumpfe Mischung aus Ähr und Öhr. An der Anzahl dieser Laute erkannte er, wie sie gestimmt war. Dieses ausgestossene Öähr traf ihn mehr, als ein offener  Angriff. Sie maulte auch leise vor sich hin, auch wenn er nichts verstand, wusste er, dass sie über ihn sprach und ihrem Ärger Luft machte. Aber sie bedeutete die einzige Verbindung zur Außenwelt, weil die Verwandten ihn selten besuchten.

Knoop versuchte gerade, sie in ein Gespräch zu verwickeln. »Haben Sie schon gesehen, die Kastanie? Ist sie nicht wunderschön. Die Königin unter den Bäumen! Und wir haben etwas gemeinsam. Wir sind beide bewegungslos. Ist der Frühling nicht immer wieder ein einzigartiges Schauspiel? Ist das Wunder des Lebens nicht ein einzigartiges Mysterium?« Sie schaute ihn an, schickte kalte Pfeile aus ihren kühlen, grauen Augen, als wolle sie fragen, wieso ein Mann wie er sich erdreisten könne, vom Wunder des Lebens zu sprechen.

»Ach, die olle Kastanie, das viele Laub jedes Jahr«, meinte sie nur, ohne aufzusehen. Sie schob ihn vom Balkon ins Wohnzimmer, wo sie den Tisch gedeckt hatte.

Die Renaissance der Kurzgeschichte

Bitte senden Sie uns keine Kurzgeschichten oder Lyrik, so lauten die Hinweise auf den Seiten der Verlage. Wenn sie schon mit Manuskripten überhäuft werden, dann möge man sie wenigstens mit den Genres verschonen, die kaum ein Mensch liest.

Genau wie Anthologien und Biografien haben sie nur eine kleine Liebhabergemeinde. Wer quält sich schon gern durch Hunderte von Seiten Lebensbeichte, wenn sie nicht von Keith Richards oder Michail Gorbatschov geschrieben sind?  Die breite Masse der Leser liest Romane. Belletristik.

Der Literaturkosmos beginnt sich aber dank des eBooks zu verändern. Im Prinzip ist es noch unfassbar, welches weite Feld hier überhaupt auf seine Bestellung wartet.

In einem Forum las ich den Beitrag eines Lesers, der zum Lesen nur noch einen Reader einsetzt und sich an einer aktuellen Diskussion pro oder kontra Printbuch beteiligte. Sein Argument war:

Zum Lesen einer kurzen Geschichte auf dem Reader findet sich immer Zeit, in der Bahn, im Bus auf dem Weg zur Arbeit. Als Beifahrer. Beim Sitzen im Wartezimmer und bei noch so vielen Gelegenheiten. Warum nicht auch zum Beispiel in der Kassenschlange im Supermarkt? Jeder weiß, wie quälend langsam  die Zeit bei Ämtern, Ärzten etc. vergeht. Eine Kurzgeschichte kann auch eine kurzweilige Bettlektüre sein. Hat nicht jeder Autor irgendwo die Idee für eine KG im Kopf oder bereits auf Papier gebracht in der Schublade liegen? Hat nicht schon mancher Schriftsteller bedauert, dass Verlage so ungern  Kurzgeschichten erhalten? Ausnahmen bilden da ein paar AutorInnen, die mit ihren Werken zu bekannten Autoren wurden. Allerdings hatten sie vorher schon Preise erhalten und waren im Gespräch. Der Verlag riskierte also nichts.

Ich prophezeie der Kurzgeschichte eine Renaissance. Sie wird vielleicht sogar den Roman irgendwann ablösen. Vielleicht werden auch andere Erzählformen aus der Taufe gehoben, wie beispielsweise Novelle oder  Little  Roman. Texte, die dann eine bestimmte Seitenzahl nicht überschreiten.

Meiner Meinung nach ist hier auch das Trittbrett, auf welches der Indie Autor aufspringen kann. Es vereinfacht auch das gegenseitige Lesen und Bewerten der Texte.  Auch von Lesern mit Vorbehalten gegen diese Literaten wird eine KG womöglich eher angenommen.

Ein Printbook mit einer 10seitigen Kurzgeschichte gibt es nicht. Das wäre ein dünnes Heft und kein Buch. Dafür würde sich keine Werbung lohnen, das würde auch niemand kaufen, und im Bücherregal macht es auch nichts her. Ein digitales Buch kann sogar nur fünf Seiten enthalten, das interessiert den PC und den Reader nicht. Niemand presst es zwischen zwei Buchdeckel oder dünne Pappe. Ein Leseerlebnis ist nicht mit der Zahl 100 Seiten verbunden.  Die Chance, dass ein Leser die 10-20seitige Kurzgeschichte von einem unabhängigen Schriftsteller liest, ist sehr gut.

Auch für den Self-Publisher ist es eine Entlastung, wenn er weiß, dass er nicht 500 Seiten in 12 Monaten umsonst schreibt, sondern nur 20 in 2 Wochen. Während die eine Short Story veröffentlicht ist, kann er sofort mit der nächsten beginnen. Sobald es Kritiken hagelt, kann er die Fehler als Herausforderung sehen und sie beim neuen Versuch gleich gar nicht erst machen. Wenn er seine Werke total vergeigt hat, benutzt er ein neues Pseudonym. Auch das ist ein gewaltiger Vorteil.

Die Kurzgeschichte ist durch ihre Dichte – die Technik sollte der Autor natürlich beherrschen –  mehr auf unsere schnelllebige Zeit zugeschnitten. Diese Zeit lässt sich nicht mehr aufhalten.

Der eBook Autor erkennt den Bedarf, vor ihm allein liegt der unendliche Acker, den er nur bestellen muss. Wenn er dann auch noch in den beliebten Genres Horror, Krimi, Fantasy und Erotik Fuß fassen kann und will, gehört die Zukunft ihm.

#SampleSunday – Auszug aus Wunderbares Leben (Satire)

Diese Menschen, die dem Geld und Vermögen und nur dem Gedanken daran verfallen, sind süchtig, sehr schwer erkrankt, aber Heilung ist möglich. Als verantwortungsvoller Vater erkannte ich meine Aufgabe nach einer Erleuchtung, zu der Schwammi Analtool Dollar mir verhalf.
Meine Kinder, Ihr müsst wieder von innen heraus gesunden, und da hilft zunächst nur der harte Entzug. Und da wie bei jeder anderen Sucht, erstmal eine andere Droge, äh, ein sinnvoller, gesunder Ersatz her muss, welcher den Entzug erleichtert und dir einen Erfolg beschert, schlage ich hier gern arbeiten vor. Arbeiten – zehn, fünfzehn Stunden täglich, wenn nötig mehr, wenn nötig weniger, solange, bis der schlimmste Teil des Entzugs überstanden ist. Du wirst schnell merken, dass du nie wieder etwas anderes willst.
All dieser Luxus um mich herum, für den man mich oft anfeindet, ist für mich bedeutungslos, völlig bedeutungslos. Ich lebe nur deswegen so, um mir immer wieder vor Augen zu führen, wie wertlos das alles ist. Learning by Seeing sozusagen. Mir gefällt sogar, diesen Wohlstand zu mehren, um die harte Prüfung des Verlustes zu bestehen, aber die Dinge, die man am meisten erwartet und herbeisehnt, geschehen oft nie. Ich hatte jegliches Vermögen in jedweder Form aus meiner Villa verbannt, aber alles läuft auf einer unsichtbaren spirituellen Ebene ab, womit ich sagen will: Bei mir vermehrt sich alles von allein. Widerstand ist zwecklos.
Diesen Weg kannst auch du gehen, aber er ist lang und beschwerlich. Ich will dir keinerlei Hoffnung machen, denn der Wohlstand ist bereits gerecht verteilt, nun zählen wieder andere Werte. Verabschiede dich also innerlich von diesem klimpernden Schrott, Papiermüll und Plastikmammon, der zudem die Umwelt belastet, und stehe zu deiner Sucht. Geld und all seine Verwandten wie Eigentum, Besitz, Vermögen usw., stehen auf der Liste aller gefährlichen und meist gesuchten Drogen der Welt an erster Stelle.

#SampleSunday – noch eine kleine Leseprobe aus ‚Total verkannt bis ganz zuletzt‘

Leseprobe aus Liebesgeschwüre im Blackforest:

Es wurde Zeit, dass er Merriänns Kopf, der seinen um einiges überragte, wieder zurechtrückte.

»Wie heißt er überhaupt?«, bohrte Jantje.

Aber Merriänn verweigerte die Aussage und wollte schnell ins Hotel. Nur die Androhung von Polizei hielt Jantje ab, diese Frau ohne seinen männlichen Schutz allein gehen zu lassen.

Sehnsucht ist der Liebesflüsterer, und so war es auch bei Jantje, je länger das Treffen mit Merriänn zurücklag, schon bald eine Woche, desto stärker wurde sein Verlangen nach ihr. Die Vorstellung, sie in den Armen dieses Liebeskaspers zu wissen, quälte Jantje Tag und Nacht. Die Spermienproduktion lief auf Hochtouren, und die kleinen Wilden gelüstete es nach einem Wettschwimmen hin zur Eizelle. Denn plötzlich gesellte sich zum Wunsch nach Frau und Ruhm noch der nach einem Erben hinzu. Doch an dieser Stelle müssen wir der Fairness halber berichten, dass die kostbaren Erbgutträger vor Ungeduld fast immer in der Unterhose versiegten.

Mutter Antje verweigerte bereits die Nahrung und kochte für Jantje nicht mehr die geliebten Käsegerichte. Ihr Spitzenhäubchen hing ungebügelt und ungestärkt vom Kopf herunter. Ihr Allgemeinzustand ließ das Schlimmste befürchten und zwang Jantje zum sofortigen Handeln.

Merriänns Aufmersamkeit konnte Jantje nur durch einen Frontalangriff mit null Möglichkeit zum Rückzug erregen. Zum Beispiel in einer Live-Show wie ‚Karina tut alles für Euch.‘ Die fand jeden.

Bis zum letzten Moment wusste Merriänn nicht, wem sie die Einladung zu verdanken hatte. Sie erwartete Klassenkameraden, Freunde aus Kindheit und Jugend, Verwandte aus Amerika, Lehrer, denen die Einserschülerin im Gedächtnis haften geblieben war. Ihr Blick klebte an der Flügeltür, die sich jeden Augenblick öffnen würde. Sie hielt sich mit beiden Händen die Augen zu, als sie sah, wer hereinkam.

Während des Fernsehauftritts stakste Jantje vorwärts, am linken Arm die Hand seiner Mutter Antje und fünfzig Papageientulpen darin und im rechten einen Käselaib, welcher ihm plötzlich herunterfiel und fortrollte. Jantje stolperte über sein eigenes Bein, taumelte, versuchte mit den Blumen das Gleichgewicht auszuloten und den Laib zu fassen, wobei er mitgerissen wurde. Dabei flogen die Blumen durchs gesamte Studio. Der Käselaib drehte sich auf seine platte Seite, und Jantje landete zeitgleich mit Mutter Antje bei Merriänn, den Laib mit beiden Armen umklammernd und auf ihm liegend.

Alle Kameras waren auf sie gerichtet, und sie kreischte laut, als er da vor ihr lag. So unglücklich fand er seine Stellung nicht mehr, zwar schmerzhaft, aber nur so konnte er ohne Umschweife sein Anliegen äußern. »Werde meine Frau. Du oder keine.«

»Wie peinlich! Ich glaub, ich muss mich übergeben«, Merriänn sprang auf, hielt die Hände vor den Mund und rannte zum Ausgang.

»Das sind die Hormone. Sie ist völlig beeindruckt«, parlierte Jantje selbstbewusst mit seinem entzückenden Akzent. Das Publikum war hin und weg ob dieser romantischen Geschichte, die den Duft des Märchens trug. Auch im Märchen schlug das Herz des Schicksals stets für die Schwachen.

Klatschen, Hurrarufe, Tasten nach den Taschentüchern.

»Ich will den nicht!« beteuerte Merriänn, als sie sich gefangen hatte.

Ein Unwetter aus Buhrufen, Pfiffen und Fußgetrampel prasselte auf sie nieder, und Karina nahm sie ins Kreuzverhör. »Warum nicht? Manch eine wäre froh, wenn ein Kerl um sie so ein Aufhebens machen würde.«

»Ist es um die Männerwelt so schlecht bestellt, dass ich jeden nehmen muss?«

»Er liebt dich von ganzem Herzen.«

Mutter Antje schaltete sich ein. »Er denkt schon ans Sterben. Ohne sie will er nicht mehr.«

»Das wird das Herz meiner armen Mama brechen«, wimmerte Jantje. Heftiger Protest aus dem Publikum und Merriänn befürchtete Lynchjustiz.

Jantje pulte eine Rasierklinge aus der Hosentasche – eine rostige natürlich, die er eigens für diesen Zweck irgendwo aufgetrieben hatte. »Sag Ja! Oder ich tu es sofort.« Die Emotionen des Publikums drohten den Rahmen zu sprengen. Sie sprangen von ihren Sitzen auf und schrien: »Mörderin! Herzlose Furie! Schlampe!«

»Der kann mich doch nicht erpressen!«, wehrte sich Merriänn verzweifelt, doch Karina fuhr ihr sogleich über den Mund. »Du siehst, was die Leute hier von dir halten.«

Merriänn überstand die Sendung nur, weil sie sich sagte: ‚Augen zu und durch‘ und ‚Hauptsache, von meinen Freunden guckt keiner diesen Schwachsinn. Mein Leben wird nie mehr wie vorher sein, es sei denn, ich unterziehe mich einer Gehirnwäsche.‘ Sie sann nach einer Lösung, dieser lästige Verehrer ging ihr auf die Nerven.

»Gut, wenn du mich haben willst, löse erst eine Aufgabe. Umsonst kriegt mich keiner.«

Jantje nickte und griff nach ihrer Hand.

»Lebe ein halbes Jahr im Blackforest.«

Der Bürger des flachsten Landes der Erde würde in den Bergen jämmerlich zugrunde gehen, glaubte sie fest. Wenn nicht, gab es Wege und Möglichkeiten, ihn dort spurlos zu beseitigen, den Verrückten.

Das eBook gibt es zurzeit als kostenlose Werbeaktion bei Amazon Kindle Select

Humor, Satiren, Grotesken,

Heute und morgen kostenlos – Total verkannt bis ganz zuletzt – Humor + Satiren + Grotesken ….

Kennt ihr es auch – dieses Gefühl der Befreiung, wenn wieder ein Manuskript die Tiefen der Schublade verlassen hat, in der es mehrere Jahre unbeachtet vor sich hin dämmerte?

Dank des digitalen Zeitalters sind diese Zeiten nun vorbei. Das eBook beginnt sich zu etablieren und seinen Platz in der Literatur zu erobern.

Im Vergleich mit anderen Genres haben Satire oder Humor  nicht den höchsten Stellenwert.  Man mag sie oder verachtet sie. Zur so genannten hohen Literatur zählen sie nicht.  Dabei finde ich nichts so schwierig zu schreiben wie eine Satire.

Humor, Satiren, Grotesken,

Hier stelle ich euch eine zusätzliche Leseprobe aus  der Geschichte ‚Brief an die Bundesregierung und an den Weihnachtsmann‘, vor:

Der kleine Feix-Konrad Schnurtz begreift die Welt nicht mehr,  seitdem er und seine Mutter zu Weihnachten mit Hartz Vier beschenkt wurden.

Könnt ihr die traurige Mama auswechseln gegen eine fröhliche, die jeder gern hat?
Doch ich will nicht nur betteln, sondern mich bedanken, liebe Bundesregierung. Für die Abschaffung der Klavierstunde und den Blockflötenunterricht, dafür reicht unser Geld nicht mehr. Ein Glück. Danke! Ich muss auch nicht zum Wolldischieren oder wie das heißt, denn ich graul mich so vor Pferden.
Wenn ihr das alles abschafft, könnt ihr so schlecht nicht sein. Falls ihr alles verschwinden lassen könnt, was nichts taugt, dann seid ihr fast schon so große Zauberer wie Schwammi Analtool, aber denkt dabei auch mal an die Schule. Arme müssen doch gar nichts lernen, oder? Für Drecksarbeit braucht man keinen Kopf, sondern nur die Hände, weiß Mama. Wer den ganzen Tag schuftet, hat nie Zeit zum Lernen und ist sowieso viel zu müde. Arme Kinder können deswegen auch niemals Erfinder werden, oder Arzt. Warum also Geld für Bücher ausgeben?
Neulich habe ich heimlich den Fernseher eingeschaltet, eigentlich darf ich das nicht, weil der soviel Strom verbraucht und sie den schon mal abgeklemmt haben. Mir war nur so langweilig. Da sagte einer, in Deutschland leben zu wenig deutsche Kinder, und die Deutschen sollen schleunigst deutsche Kinder kriegen, damit die Deutschen in Deutschland nicht ganz aussterben. Meine Mutter hat davon natürlich wieder nichts gehört, denn sonst würde sie sich beeilen und schnell für ein paar Kinder sorgen. Oder sollen arme Leute doch besser keine haben, falls Armsein vererbt wird?
Die Gerechtigkeit ist auch lieber bei den Reichen, weil sie dafür bezahlt wird, hat der aus dem Fernseher gesagt, und das Geld kommt sowieso lieber zu dem, der schon genug hat. Egal, ich will trotzdem eine Schwester.
Schickt mir doch mal einen Brief, liebe Bundesregierung, ob ich bald Bundesregierung werden kann. Dafür braucht man kaum was, sagt Mama, nur viel Schminke, um das wahre Gesicht zu schützen und zu verbergen. Außerdem ist das Leben wohl sehr gefährlich für die weiße Haut, weil die ja mit auf Weltreise geht, in heiße Länder, wo sie schnell schwarz wird. Eine Bundesregierung reist viel. Zweitens muss man gaaanz viel quasseln können und dabei nichts sagen, also nicht wie beim Schwammi, der redet wenig und sagt viel. Das Quasseln kann man in Kursen lernen, die sind aber abends, und da schlafe ich schon.
Ich hab wohl viel Lust dazu, Spaß mache ich auch gern, Mama meint, die Bundesregierung ist eine einzige Lachnummer. Drittens muss man sich dauernd versprechen können. Das hat mir Mama so erklärt: »Eine Bundesregierung macht immer bloß Versprechen und schwindelt. Versprechen kann ich mich auch, besonders in der Schule beim Lesen. Schwindeln, das krieg ich auch noch hin, nur lügen ist nicht so gut, aber Notlüge geht. Wenn es das Leben rettet, darf man lügen, ausnahmsweise, findet sogar meine Lehrerin.
Wenn einer sterben soll, so wie Skywalker, wenn er von Darth Vader mit dem Laserschwert bedroht wird und auch noch von Hartz Fünf und Sechs, weil die Hartz Vier rächen, wenn Skywalker also gegen die alle kämpfen muss, und Obi Wan Kenobi nicht da ist, dann darf Skywalker lügen, bis die Schwarte kracht, meint Kjell Korbinian. Und da eine Bundesregierung unser aller deutsches Leben vor dem Rest der Welt beschützen und retten muss, vielleicht sogar vor Hartz Drei, Zwei und Eins, weil die aus der Matrix auferstanden sind, darf sie in ihrer großen Not lügen, bis sich die Balken biegen. Jawohl. Mama ist tatsächlich manchmal etwas verpeilt.

Neue Kurzgeschichte veröffentlicht

Nach längerer Auszeit gibt es eine Kurzgeschichte von mir.  Sie lag schon länger in der Schublade, seit 15 Jahren, um genau zu sein.

Damals wohnte ich im ersten Stock eines Mietshauses am Rand eines größeren Ortes und blickte auf eine einzelne Kastanie. Ich beobachtete sie täglich und stellte fest, wie viele Veränderungen es an ihr gab. Ich begann diese Veränderungen zu dokumentieren und sah schon eine Geschichte vor mir. Aber wen würde der Jahreszyklus eines Baumes interessieren? So beschloss ich, die Kastanie  mit einem menschlichen Schicksal zu verknüpfen. In meinem Arbeitsumfeld gab es einen älteren Menschen, der in seiner Wohnung lebte und dort ambulant versorgt wurde. Und schon hatte ich die Geschichte.

Die Kurzgeschichte gibt es ab heute für 0,00 Euro bei Amazon KDP Select.

Handwerk versus Esoterik

Besonders jene, die mit dem Schweiß anderer (in diesem Fall der Arbeit der Schreibenden) Geld verdienen wollen, drängen gern abstrakte Begriffe wie Kreativität und Intuition in den Hintergrund und reduzieren das Talent des Schreibens auf das nackte Handwerk, das jeder erlernen kann. Selbstverständlich bieten sie auch an, dieses Handwerk zu vermitteln. In Seminaren, im Fernstudium, Face to face oder als kompaktes Wissen, zwischen zwei Buchdeckel gepresst.

Ich weiß, dass diesen Leuten inzwischen viele Hobbyautoren wie Fliegen auf den Leim gehen. Auch deshalb werden die Reihen der erfolglosen Dichter nicht lichter, nur die Krimiautoren unter ihnen potenzieren sich seither. Der Krimi scheint ein dankbares Genre zu sein, warum auch immer.

Seltsamerweise wirken auf mich sämtliche „nur“ handwerklich hergestellten Werke wie aus ein und derselben Wolle gestrickt, nur mit anderen Mustern. Das, was ein Buch lebendig macht, fehlt. Aber Bücher müssen leben – das gilt besonders in der Belletristik. Kreativität und Intuition müssen vorhanden sein. Intuition ist demnach überhaupt keine Fähigkeit, sondern ein Begriff, der in die Esoterik gehört. Der berühmte Funke, die Muse, die Eingebung, all das gibt es demnach nicht.

Die Kunst, anders als der Mainstream zu formulieren, abstrakt zu werden, mit Sätzen zu spielen, virtuos Tempus, Modus und Perspektive wechseln zu können, Gefühle einzubringen und mit dem Geschriebenen zu verwachsen, das kann ein Handwerkkurs kaum lehren. Denn er orientiert sich nur an einem starren Gerüst, erlaubt aber kaum Spielerei. Das simpelste Beispiel dafür ist der Satzbau. Die Meister der verschachtelten Sätze werden berühmt und gern gelesen, sie zählen zur anspruchsvollen Literatur, während Dozenten des Handwerks ausdrücklich zu kurzen Sätzen raten. Subjekt – Prädikat – Objekt. Einfache Nebensatzkonstruktionen. Viertklässler Grammatik, denn damit steht jeder Schreibende erst einmal auf der sicheren Seite. Aber wie langweilig liest sich das.

Für Literatur von der Stange sind Handwerk und gute Recherche wichtig, gern auch noch ein paar Co – Autoren, die aus dem Hintergrund zuarbeiten. Damit kann man Satz an Satz reihen. Man erkennt diese Bücher sofort. Orthografisch sind sie perfekt, aber der Fantasie stecken sie die Grenzen enger. Protagonisten und Antagonisten und Schauplätze werden ausgetauscht, die Handlung verändert, aber der Autor bleibt meistens seinem Genre, z.B. dem Krimi, treu. Hauptsache, der Leser bekommt mindestens jedes Jahr ein neues Werk vom Lieblingsautoren.

Darum erkennt jeder Leser sofort ‚King‘, ‚Chrichton‘ oder ‚Follet‘ wieder. Diese Bücher werden verschlungen, aber werden sie auch geliebt?

Beim Sachbuch ist das Handwerk wichtiger als Fantasie, der Rahmen ist enger gesteckt. Ein Leser, der z.B. Informationen über ein bestimmtes Land erhalten möchte, ist zwar über einen lockeren, flüssigen Sprachstil sicherlich erfreut, aber eine Abschweifung zu einem Krimi oder zur eigenen Love-Story des Autors, selbst wenn sie sich in dem bestimmten Land abgespielt hat, wird ihn weniger begeistern.

Das Phänomen der Wortverweigerung

Worte haben Macht. Das wissen wir, und darüber müssen wir nicht diskutieren.

Dabei kann es leicht zur Wortverschwendung kommen. Zu rhetorischen Ergüssen – von Mimik und Gestik untermalt,  deren Inhaltsqualität bei Null Prozent liegt. Dieses Modell ist in der Politik sehr häufig zu beobachten.

Schon länger beobachte ich das Phänomen der Wortverweigerung. Oder Wortvorenthaltung. Reduktion der Kommunikation aufs Nötigste. Im alltäglichen Leben verweigern Menschen anderen Menschen Worte. Denn Worte bedeuten Macht. Wortverweigerung ist ebenfalls Macht.

Bei Ämtern, Behörden, in Arztpraxen und sogar im heimischen Supermarkt wird dieses Verfahren gerade erfolgreich getestet. Da es sich so gut bewährt, kommt es dauerhaft zum Einsatz. Es verursacht keine Kosten und hält die Bevölkerung bewusst dumm.

Bitte verwechseln Sie die Verweigerung nicht mit den Situationen, in denen uns vor Schreck die Worte im Hals stecken bleiben. Oder vor Verwunderung.

Die Verkäuferin an der Käsetheke möchte gar nicht mehr wissen, ob die alte, kranke Dame 600 g Leerdammer geschnitten haben möchte, sie setzt voraus, dass sie ihn am Stück möchte. Sie setzt das Messer gleich am Käselaib an, bevor Omi ihren Wunsch zu Ende formuliert hat. Mit Blick auf die wartende Schlange und wegen der heutigen personaltechnischen Probleme erledigt sich die Frage, die gar nicht gestellt wurde, von allein. Da also sind die Menschen, die motiviert, dynamisch und froh über einen Arbeitsplatz sind. Schweigsam sind sie oft, als würde ihre Energie bei anderen Dingen verpuffen. Zum Beispiel bei der Frage, die völligen Einsatz und Elan bedeutet: „D a r f   e s  n o c h   e t w a s   m e h r  s e i n?“

Nehmen wir den Sachbearbeiter/Kundenberater im Amt Soundso, der uns am Schreibtisch gegenüber sitzt, gelangweilt unsere Daten am PC eingibt, uns bohrt und festnagelt mit seinen penetranten Fragen, aber seine Informationen nur auf das Notwendigste beschränkt. Oh, wie wundervoll ist Macht. Geistiger Kaviar schlechthin.

Der Sachbearbeiter ist zur Auskunft verpflichtet, und er gibt auch Auskunft. Nicht mehr und nicht weniger, er hält sich an Vorgaben, er bekommt schließlich keine Wortprovision. Er macht sich nicht strafbar, wenn er seinem Klienten oder Kunden Ratschläge vorenthält. Sein Selbstvertrauen leidet auch nicht, wenn ihm als ausgebildeter Fachkraft  von seinem Gegenüber mit der Sachlage auf die Sprünge geholfen wird.

Im medizinischen Bereich ist es nicht besser. Fachangestellte werden nicht  nach Wörtern bezahlt. Sie sind so schweigsam, dass ich mittlerweile glaube, sie beschützen die Ärztin/den Arzt. Vor der Belästigung durch den Patienten? Wörter lassen sich schwer abrechnen, so lange es an einer Wortzählmaschine fehlt.

Solche Fragen wie: ‚Haben Sie die OP gut überstanden?‘, ‚Wie geht es Ihnen heute?, Haben Sie sich in der REHA gut erholt?‘, Wie fühlen sie sich?‘, wird man selten hören, sie sind leider nicht automatisch mit der Praxisgebühr vergolten. Ohnehin kennen die Mitarbeiter an der Rezeption die Kranken nicht mehr persönlich und hören dessen Leidensgeschichte gern ein zweites und drittes Mal. Nur in Stichworten natürlich. Eine Arztpraxis ist heute mehr und mehr als Flughafen Terminal zu verstehen.

Der Hausarzt weiß nichts vom Facharzt, der Facharzt weiß nichts vom Hausarzt, der Patient erzählt bei jedem Arzt die gleiche Geschichte wieder von Anfang an, obwohl die Berichte bei jedem liegen.  

Überall das gleiche Spiel. Man rennt von einer Stelle zur anderen. Telefoniert mit jenem und diesem. Stattdessen vergrößert sich der Verwaltungsberg. Vielleicht sagen Akten und PC Daten mehr aus für Ärzte und Sacharbeiter, als Augen und Allgemeinzustand eines Kranken oder die Erzählungen eines Kunden.

Wortverweigerung ist nicht strafbar, wodurch sie sich von Lüge, Betrug oder Beleidigung unterscheidet.

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